Wie die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus werden mittlerweile viele Journalisten zum Ziel von Anschlägen.

Afghanistan
Anja Niedringhaus hatte mit ihrer Kamera seit mehr als 20 Jahren aus vielen Krisenregionen berichtet. Nun wurde sie in Afghanistan erschossen.

Anja Niedringhaus hatte mit ihrer Kamera seit mehr als 20 Jahren aus vielen Krisenregionen berichtet. Nun wurde sie in Afghanistan erschossen.

dpa

Anja Niedringhaus hatte mit ihrer Kamera seit mehr als 20 Jahren aus vielen Krisenregionen berichtet. Nun wurde sie in Afghanistan erschossen.

Kabul. Die deutsche Foto-Reporterin Anja Niedringhaus (48) hatte jahrelange Erfahrung in Afghanistan, im Irak und in anderen Kriegs- und Krisengebieten. Dasselbe gilt für ihre kanadische Text-Kollegin Kathy Gannon (60). Für die US-Nachrichtenagentur AP sollten beide über die Wahl in Afghanistan berichten. Doch gegen die Gefahr waren sie machtlos: Niedringhaus wurde Freitag erschossen – von einem afghanischen Polizisten. Gannon überlebte schwer verletzt.

Afghanische Polizisten und Soldaten haben in den vergangenen Jahren mehrfach Angehörige der internationalen Truppen gezielt getötet – als Taliban-Schläfer in den Sicherheitskräften, aber auch als Einzeltäter. Im Militärjargon werden diese Angriffe „Green on Blue“ genannt – in Abwandlung von „Blue on Blue“, wenn Nato-Soldaten versehentlich auf Verbündete schießen. Ausländische Journalisten waren bislang nicht zum Ziel solcher Attentate geworden.

Das Vertrauen in die afghanischen Sicherheitskräfte ist gering

Auch wenn der Attentäter Freitag aus eigenem Antrieb heraus gehandelt haben sollte: Das ohnehin nicht besonders große Vertrauen in die afghanischen Sicherheitskräfte, die wegen der Bedrohungslage vor der Wahl fast überall präsent sind, hat weiter Schaden genommen.

Journalisten fühlten sich früher in Afghanistan in der Regel nicht als Teil des Konflikts, sondern als neutrale Beobachter akzeptiert – auch von den Taliban. Die Gefahr bestand zwar, zufällig in einen Anschlag zu geraten. Auch Entführungen gab es. Reporter wurden aber meist nicht gezielt ermordet.

In jüngster Zeit hat sich das geändert. Der Angriff ist bereits der dritte innerhalb von weniger als einem Monat, bei dem Journalisten in Afghanistan getötet wurden. So wurde der schwedische Korrespondent Nils Horner am 11. März auf offener Straße in der Hauptstadt Kabul mit einem Kopfschuss ermordet. Zwar bekannte sich eine extremistische Splittergruppe zu der Tat, die Horner einen britischen Spion nannte. Belastbare Erkenntnisse zu den Hintergründen liegen aber nicht vor.

Bei einem Angriff starb ein Journalist mit seiner ganzen Familie

Anja Niedringhaus suchte inmitten von Kämpfen und Schießereien die ruhigeren Bilder. „Ich bin ja nicht auf der Suche nach diesem Bäng-Bäng, weil ich glaube, dass andere Fotos viel mehr zeigen können – wenn man zeigen kann, wie Zivilisten jahrelang in einem Krieg weiterleben können, wie die ihr tägliches Leben halt organisieren“, sagte sie 2011. Die preisgekrönte deutsche Foto-Reporterin der US-Nachrichtenagentur Associated Press wusste immer um die Gefahren ihrer Arbeit.

Bereits aus dem Jugoslawienkrieg berichtete die 1965 in Höxter geborene Frau. Später war sie im Irak, wurde 2005 mit dem Pulitzer-Preis für ein Bild von den Kämpfen um Falludscha ausgezeichnet. Mehrfach wurde sie selbst verletzt.

Am 20. März stürmte ein Taliban-Selbstmordkommando das Restaurant des Serena-Hotels in Kabul, in dem das afghanische Neujahr gefeiert wurde. Unter den neun getöteten Zivilisten war der Reporter Sardar Ahmad, der seit Jahren für die französische Nachrichtenagentur AFP arbeitete. Auch Ahmads Ehefrau und zwei seiner Kinder – drei und fünf Jahre alt – wurden von den jugendlichen Angreifern erschossen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte Schutz von der afghanischen Regierung für Journalisten.

In einer Mitteilung von AP-Präsident Gary Pruitt an die Mitarbeiter der Agentur hieß es, Journalismus sei ein Beruf für mutige und leidenschaftliche Menschen, die fair und genau informieren wollten. „Anja Niedringhaus hat diese Definition in jeder Weise erfüllt. Wir werden sie furchtbar vermissen.“

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