Die Ministerpräsidenten machen einen Vorstoß zur Entzerrung der Sommer-Ferientermine.

Zeugnisse

dpa

Berlin. Es ist ein alter Streit um die schönste Zeit des Jahres: Ginge es allein nach den Wünschen von Tourismusbranche und Länder-Wirtschaftsministern, dann würden die unterschiedlichen Termine der Schulsommerferien in den 16 Bundesländern über einen längeren Zeitkorridor schon von Anfang Juni bis weit in den September hinein gestreckt. Heute müssen sich erneut die Ministerpräsidenten mit einem Vorstoß der Wirtschaft beschäftigen. Die Kultusminister setzen auf einen Kompromiss.

Was ist der Auslöser für die neue Debatte?

Der Termine der Sommerferien werden von den Kultusministern langfristig nach einem „rollierenden System“ festgelegt. Das heißt, mal starten die einen Länder früher in die Ferien, mal die anderen. So sollen möglichst alle Eltern und Kinder mal in den Genuss von besonders warmen Ferientagen im Hochsommer kommen. Derzeit gilt die „Langfristige Ferienordnung von 2011 bis 2017“. Noch in diesem Jahr wollen sich die Kultusminister über den genauen Zeitplan für die Jahre 2018 bis 2024 verständigen.

Wie groß ist der zeitliche Gestaltungsspielraum?

Der Spielraum für die Ferientermine erstreckt sich in der Regel vom 20. Juni bis zum 15. September. Das wechselt aber von Jahr zu Jahr. Fallen Ostern und Pfingsten erst spät ins Frühjahr, starten die ersten Länder auch erst spät in die Sommerferien – so wie in diesem Jahr. Den Auftakt macht diesmal NRW mit dem ungewöhnlich späten Ferienstart am 7. Juli. Über die Jahre hinweg nutzen die Kultusminister für die Feriengestaltung einen Zeitkorridor von 83 Tagen.

Was wollen die Wirtschaftsminister?

Die Wirtschaftsminister haben die Forderungen von Tourismusbranche und ADAC aufgegriffen und wollen diesen Zeitkorridor im Schnitt auf „mindestens“ 90 Tage ausdehnen. Jeder Tag, um den sich der Ferienkorridor verkürzt, bedeute für die Tourismuswirtschaft einen Umsatzverlust von 120 Millionen Euro, argumentieren sie.

Gibt es pädagogische Gründe für einen späten Ferienstart?

Ein zu früher Start in die Sommerferien würde aus Sicht der Kultusminister die Unterrichtszeit zwischen Weihnachts- und Sommerferien zu sehr verlängern. Die Prüfungsphasen nach Ostern müssten noch mehr komprimiert werden. Befürchtet wird mehr Lernstress.

Wie wird der Streit ausgehen?

Die geplante Erweiterung des zeitlichen Korridors für die Sommerferien von 70 auf 90 Tage stößt auf Widerstand in den Jugendverbänden. Eine solche Ausweitung würde auch für Familien Probleme in der Betreuung ihrer Kinder bedeuten, argumentieren sie.

Noch frühere Sommerferien verhindern zudem die Teilnahme von Studierenden als ehrenamtliche Mitarbeiter an den Ferienmaßnahmen der Jugendverbände. Die vorlesungsfreie Zeit beginnt im Schnitt am 15. Juli – und damit einen Monat zu spät.

Der Entwurf der Kultusminister für die Termine 2018 bis 2024 sieht nach Berechnungen der Wirtschaftsminister einen Zeitkorridor von 79,5 Tagen vor – was sie als zu wenig beklagen. Die Länder-Regierungschefs werden ihre Kultus- und Wirtschaftsminister ermahnen, sich noch einmal für einen Kompromiss an einen Tisch zu setzen. In ihrer Beschlussvorlage heißt es salomonisch, dabei sollten „die verkehrlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkte Berücksichtigung finden, soweit dies maßgeblichen pädagogischen Gründen nicht entgegensteht“.

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