Bremen trauert um seinen langjährigen früheren Landesvater Hans Koschnick. Mit 87 Jahren starb der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Sozialdemokrat.

Hans Koschnick (r.) sitzt zusammen mit dem damaligen Präsidenten von Bosnien Alija Izetbegovic, den damaligen Außenminister Klaus Kinkel (FDP) und dem damaligen Präsidenten von Kroatien Franjo Tudjman  
vor der zerstörten Brücke von Mostar (Bosnien-Herzigowina).
Hans Koschnick (r.) sitzt zusammen mit dem damaligen Präsidenten von Bosnien Alija Izetbegovic, den damaligen Außenminister Klaus Kinkel (FDP) und dem damaligen Präsidenten von Kroatien Franjo Tudjman vor der zerstörten Brücke von Mostar (Bosnien-Herzigowina).

Hans Koschnick (r.) sitzt zusammen mit dem damaligen Präsidenten von Bosnien Alija Izetbegovic, den damaligen Außenminister Klaus Kinkel (FDP) und dem damaligen Präsidenten von Kroatien Franjo Tudjman vor der zerstörten Brücke von Mostar (Bosnien-Herzigowina).

Martin Gerten

Hans Koschnick (r.) sitzt zusammen mit dem damaligen Präsidenten von Bosnien Alija Izetbegovic, den damaligen Außenminister Klaus Kinkel (FDP) und dem damaligen Präsidenten von Kroatien Franjo Tudjman vor der zerstörten Brücke von Mostar (Bosnien-Herzigowina).

Bremen (dpa) - Klare Worte und klare Kante - das waren Markenzeichen von Hans Koschnick, für die ihn «seine» Bremer liebten. Wie kaum ein anderer prägte er das schwierige Amt an der Spitze des kleinsten Bundeslands. In Erinnerung bleiben werden nicht nur die großen, dunkelgerandeten Brillen, sondern auch seine Reden. Koschnick sprach oft so schnell und verschluckte dabei Silben - man musste schon genau hinhören. Der ehemalige Bremer Regierungschef starb am Donnerstag kurz nach seinem 87. Geburtstag.

In ersten Nachrufen würdigten Politiker Koschnick als Volkstribun, großen Europäer und Demokraten. Die Flaggen wehten in seiner Heimatstadt auf halbmast. Koschnick war ein Vollblutpolitiker mit Tatkraft, großem Stehvermögen und Fingerspitzengefühl. Bis ins hohe Alter setzte er sich für den Frieden und die Versöhnung der Völker ein. Und obwohl er sich vor vielen Jahren aus der aktiven Politik zurückgezogen hatte, war seine Meinung zu den aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen noch lange immer wieder gefragt. Erst in den letzten Jahren wurde es still um ihn. Zurückgezogen lebte er mit seiner Frau Christine im Reihenhaus in Bremen.

 

Von seiner eigenen Person hat der ehemalige EU-Administrator in der im jugoslawischen Bürgerkrieg zerstörten Stadt Mostar nie viel Aufhebens gemacht. So lehnte er auch zu seinem 80. Geburtstag eine große Feier der Bundes-SPD ab: «Ich werde auf keinen Fall kommen, bewahrt Euch alles auf und nehmt es für meinen Nachruf», ließ er seine Genossen damals wissen.

Engagement im jugoslawischen Bürgerkrieg hätte Koschnick fast das Leben gekostet

Sein Engagement im jugoslawischen Bürgerkrieg hätte Koschnick in Mostar 1996 fast das Leben gekostet, als aufgebrachte Kroaten ihn lynchen wollten und Schüsse auf seine gepanzerte Limousine abgaben. Die 20 Monate dort seien für ihn «besonders prägend gewesen», sagte Koschnick später und bezeichnete sich «als Wanderprediger in Sachen Balkan-Konflikt». Bei der Einweihung der wiederaufgebauten historischen Brücke in der herzegowinischen Stadt mahnte er im Juli 2004: «Die Brücke steht für den Wunsch und für die Möglichkeit, in einem Europa mit unterschiedlichen kulturellen Identitäten mit Respekt füreinander friedlich zusammen zu leben.»

Von seinem Verhandlungsgeschick bei kniffligen Fragen profitierten Arbeitgeber und Gewerkschaften im öffentlichen Dienst. Gleich vier Mal fungierte Koschnick erfolgreich als Schlichter - 1996, 1998, 2000 und zuletzt 2003.

Doch am liebsten war dem gebürtigen Bremer das Amt des Bürgermeisters in der Hansestadt. Koschnick erinnerte sich immer gern an die Zeit. 18 Jahre lang - von 1967 bis 1985 regierte er das kleinste Bundesland. «Man ist nicht nur Dorfbürgermeister. Man hat die Aufgabe des Ministerpräsidenten. Man mischt auf Bundesebene mit. Ich habe international für meine Stadt gearbeitet.» Sein Rücktritt mitten in der Legislaturperiode kam 1985 überraschend. «Die Wähler wollten damals etwas anderes, entweder ein anderes Gesicht oder eine andere Partei. Da ich das nicht wollte, habe ich mich zurückgezogen», erzählte er erst viele Jahre später.

Ehrungen erhielt Koschnick nicht nur für Verdienste um seine Vaterstadt, sondern insbesondere für seinen unermüdlichen Einsatz für Frieden, Aussöhnung und Völkerverständigung. Zu den zahlreichen Auszeichnungen zählen unter anderem der Hessische Friedenspreis (1997), der Gustav-Adolf-Preis (1997) und der Regenburger Brückenpreis (2004). Koschnick wurde zudem Ehrendoktor der Universität Haifa (Israel) und der Universität Bremen.

Koschnick wurde am 2. April 1929 als Sohn eines Drehers und Gewerkschaftssekretärs geboren. Schon in jungen Jahren interessierte er sich für Politik, wurde Mitglied der SPD und bereits 1955 Abgeordneter in der Bremischen Bürgerschaft. Mit 34 Jahren wurde er Innensenator im kleinsten Bundesland. Aus der Landespolitik zog er sich 1985 zurück. Anfang der 90er Jahre war er zwei Jahre Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Nach seinem Mostar-Engagement übernahm Koschnick bis Ende 1999 die Funktion des Bosnienbeauftragten der Bundesregierung. Sein letztes Amt als Flüchtlingsbeauftragter des Balkan-Stabilitätspaktes gab Koschnick nach knapp zwei Jahren mit Hinweis auf sein Alter Ende 2001 ab.

Privat geriet Koschnick nie in die Schlagzeilen. Seit mehr als 60 Jahren war er mit seiner Christine ein eingespieltes Team. Sie haben einen Sohn und mehrere Enkelkinder. Liebevoll bezeichnete er seine Frau bis zuletzt als «meine Generalsekretärin».

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