Drei Jahre nach seinem letzten öffentlichen Auftritt in Deutschland gibt sich der einstige Hoffnungsträger der CSU bescheiden.

Analyse
Karl-Theodor zu Guttenberg dementiert jegliche politischen Ambitionen. (dpa)

Karl-Theodor zu Guttenberg dementiert jegliche politischen Ambitionen. (dpa)

Peter Kneffel

Karl-Theodor zu Guttenberg dementiert jegliche politischen Ambitionen. (dpa)

München. Fast alles ist wie bei früheren Auftritten Karl-Theodor zu Guttenbergs: Es dauert keine fünf Minuten, und der einstige CSU-Hoffnungsträger spricht bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Deutschland seit drei Jahren von „Demut und Bescheidenheit“ – so wie er in seiner kurzen Glanzphase von 2009 bis 2011 beständig von Demut sprach, vom Dienen und der Pflichterfüllung. „Ich versuche, mich mit sehr viel Demut und Bescheidenheit an einer Universität zu engagieren“, berichtet Guttenberg vor gut 200 Unternehmern in München.

 

Guttenberg dementiert jeglichen politischen Ehrgeiz

Das Thema der Rede ist die Cybersicherheit, doch die Hauptbotschaft eine ganz andere: Guttenberg dementiert jeglichen politischen Ehrgeiz: „Ich habe weder vor, den Ministerpräsidenten zu stürzen noch die Kanzlerin noch den Papst.“

Guttenberg spricht auf Einladung der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft – keinen Kilometer von der Staatskanzlei entfernt, in der Ministerpräsident Horst Seehofer residiert. Guttenberg kommt zu Fuß, betritt den Saal, gibt keine Interviews. Äußerlich hat er sich kaum verändert; er ist gut gekleidet wie eh und je. In der Wahl der Krawatte hat er sich einen Hauch von Extravaganz erlaubt: rosa mit kleinen blauen Fischlein gemustert.

Es sei tatsächlich das erste Mal seit seinem Rücktritt, dass er wieder in Deutschland auftrete, sagt Guttenberg zu Beginn. Die Unternehmer begrüßen ihn mit dosiertem Applaus ohne Überschwang. „Ich danke für den herzlichen Empfang, der mich fast dazu verleitet, einen Wiedereinbürgerungsantrag zu stellen“, sagt der Baron, der wegen abgeschriebener Textbausteine in seiner Doktorarbeit Titel und Ämter verlor. Er fühle sich sehr wohl in den USA. „Von daher ist das eine sehr gute, einer sehr erfüllende Zeit und nicht der 387. Versuch eines Comebacks.“

Die Thronanwärter auf Seehofers Nachfolge wollen ihn nicht

Das ist eine Anerkennung der Realität. Denn ein Comeback-Versuch wäre schwierig. Die Thronanwärter auf Seehofers Nachfolge haben kein Interesse, dass Guttenberg sich wieder zu ihnen gesellt. Seehofer beteuerte zwar im immer wieder, dass er Guttenberg gern zurückholen würde – aber nannte ihn auch „Glühwürmchen“. Das ist Seehofer-Sprech für gescheiterte Hoffnungsträger. Diese Schmähung hat Guttenberg nicht verziehen. Er werde an der Münchner Sicherheitskonferenz nicht teilnehmen, sagte er. Nachsatz: „Ich möchte nicht gefragt werden, ob ein Glühwürmchen den Oberglühwurm getroffen hat.“

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