Untersuchungskommission
Untersuchungskommission zu Vorfällen auf der «Gorch Fock»: Marineamtschef Horst-Dieter Kolletschke (r) leitet die Kommission in Argentinien.

Untersuchungskommission zu Vorfällen auf der «Gorch Fock»: Marineamtschef Horst-Dieter Kolletschke (r) leitet die Kommission in Argentinien.

dpa

Untersuchungskommission zu Vorfällen auf der «Gorch Fock»: Marineamtschef Horst-Dieter Kolletschke (r) leitet die Kommission in Argentinien.

Berlin (dpa) - Die Marine-Untersuchungskommission zu den Vorkommnissen auf der «Gorch Fock» soll ihren Abschlussbericht bis zum Monatsende vorlegen.

Dieser werde sich in erster Linie auf Vorwürfe zu internen Vorgängen auf dem Segelschiff beziehen, die der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), publik gemacht habe, sagte Marine-Inspekteur Axel Schimpf der «Welt am Sonntag». «Im Moment gibt es da allenfalls Teilerkenntnisse.» Die Kommission hatte ihre Befragungen an Bord zuvor abgeschlossen.

Von auf der «Gorch Fock» ausgebildeten Offiziersanwärtern war der Stammmannschaft Drangsalierung bis hin zu sexueller Nötigung vorgeworfen worden. Die Vorwürfe waren in der Folge des tödlichen Sturzes einer Kadettin aus der Takelage im vergangenen November bekanntgeworden. Den Unfall untersucht neben der Staatsanwaltschaft auch der Havariebeauftragte der Marine. «Diese sehr komplexen Untersuchungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen», sagte Vizeadmiral Schimpf. «Sorgfalt braucht Zeit, nicht Druck.»

Die «Gorch Fock» traf am Freitag im chilenischen Hafen Valparaiso ein. Dort soll das Ermittlerteam von Bord gehen und nach Deutschland zurückkehren.

Der Vizeadmiral kritisierte zugleich öffentliche Spekulationen über die auch nach drei Monaten noch immer ungeklärten Umstände des Todesfalls. «Ich bin erschüttert und traurig, wie im Nachhinein durch geschmacklose und unsensible Diskussionen die Würde dieser jungen Soldatin beschädigt wird», sagte er. Damit bezog er sich wohl auf Medien-Veröffentlichungen aus Marine-Unterlagen über ein angebliches Übergewicht der Toten.

Die Mutter der jungen Frau hat deshalb schwere Vorwürfe gegen die Bundeswehr erhoben und eine Entschuldigung gefordert. «Wir erwarten, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sich dafür entschuldigt», forderte der Anwalt der betroffenen Familie, Thomas Kock, im Magazin «Focus». Seine Mandantin sei «am Ende ihrer Kräfte». Ende Januar hatte die Mutter zudem einen Brief vom Streitkräfteamt im Bonn erhalten, der an die inzwischen tote Tochter adressiert war. Darin bot das Amt psychologische Hilfe an - das Standardschreiben bezog sich auf einen früheren Auslandseinsatz der Soldatin. Die Bundeswehr räumte auf «Focus»-Anfrage ein «Versehen» ein.

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