FDP-Fraktionschef will die Liberalen nicht aufgeben.

Rainer Brüderle, ein liberaler Haudegen.
Rainer Brüderle, ein liberaler Haudegen.

Rainer Brüderle, ein liberaler Haudegen.

Rainer Jensen

Rainer Brüderle, ein liberaler Haudegen.

Stuttgart. Um 13.34 Uhr kommt Leben in die Stuttgarter Liederhalle. Rainer Brüderle ist da und zieht gleich einen Pulk aus Kamerateams und Journalisten an. „Auf geht’s Rainer!“, ruft ein Delegierter dem 66-Jährigen zu. Und der FDP-Fraktionschef im Bundestag lässt sich nicht lumpen.

Was nur als Grußwort auf dem Programm steht, wird bei Brüderle zu einer 20-minütigen, leidenschaftlichen Demonstration, dass die von vielen totgesagten Liberalen sich längst nicht aufgegeben haben. Brüderle schaltet in seinen bekannten „Brüll-Modus“ um: „Die FDP kann nur einer besiegen: Das sind wir selbst.“

Philipp Rösler wartete mit einem verpatzten Neustart auf

Wie das geht, machen die Liberalen aber fast im Wochentakt vor. Der verpatzte Neustart der jungen Parteispitze um Philipp Rösler mit der missglückten Ablösung von Außenminister Guido Westerwelle.

Dann der Streit um den Euro-Mitgliederentscheid, der im Rücktritt von Generalsekretär Christian Lindner gipfelte. Und direkt vor Dreikönig der Fehltritt von Lindner-Nachfolger Patrick Döring, der im „Stern“ peinliche Interna ausplauderte und schon jetzt von führenden Liberalen als „Sicherheitsrisiko“ eingestuft wird.

Brüderle ficht das alles nicht an. „Fürchtet Euch nicht! Lasst Euch nicht irritieren! Wir sind auf dem richtigen Weg!“, hämmert er den Delegierten ein. Die Partei dürfe nicht schwanken wie die Schilfrohre – spielt der gewiefte Stratege aus der Pfalz hier vielleicht doch auf Rösler an? Der Vizekanzler mit vietnamesischen Wurzeln sagte einmal, er sei wie ein Bambus, der im Wind wiegt, aber nicht bricht.

Seit Weihnachten sitzt der Parteichef an der Rede, die er nun hält

Der Name Rösler kommt Brüderle nicht über die Lippen – kein Wunder, denn jede Aussage wäre seziert worden, ob sie Rückhalt oder Angriff bedeutet. Nach den Beifallsstürmen in der Liederhalle dürfte es für Rösler – der eher ein Mann der leisen Töne ist – noch schwerer werden, am Freitag im Stuttgarter Staatstheater die geforderte große Ruck-Rede abzuliefern.

Etwa 50 Minuten will Rösler sprechen. Dabei geht es gleich um zwei Existenzen: um die FDP als Ganzes und den Chef selbst. Der 38-Jährige ist plötzlich in einer ähnlichen Lage wie Guido Westerwelle vor einem Jahr.

Dem nützte eine starke Dreikönigsrede auch nichts mehr. Er verlor den Vorsitz an Rösler. Seit Weihnachten hat sich der Wirtschaftsminister zurückgezogen und feilt an der Rede.

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