Medienforscher Friedemann Vogel hat die Jugend-Website der Truppe untersucht. Er sieht eine Beschönigung der Wahrheit.

Friedemann Vogel
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Freiburg. Abenteuercamps, Action, Sport: Mit solchen Slogans sorgte die Bundeswehr für Furore, als sie auf der Homepage der Jugendzeitung „Bravo“ eine Anzeige schaltete. Der Medienlinguist Friedemann Vogel (29) hat die Jugend-Website der Truppe (treff.bundeswehr.de) in einer Studie untersucht – und erkennt eindeutige Werbetricks.

Herr Vogel, wie stellt sich die Armee auf der Homepage dar?

Friedemann Vogel: Die Bundeswehr stellt sich als Ort dar, an dem sich junge, dynamische und ehrgeizige Männer und Frauen treffen, um Abenteuer zu erleben. Sie können sich dort ihre Kindheitsträume erfüllen, außergewöhnliche Dinge erlernen, fremde Länder bereisen und sind finanziell gut abgesichert.

Greift die Bundeswehr auch zu Werbetricks?

Vogel: Hinter der besagten Homepage stecken Profis, die genau wissen, wie man wirbt. Sie inszenieren die Truppe in ihrem Sinn, indem sie bestimmte Attribute verwenden und andere bewusst weglassen.

Seit Juli 2011 ist die Wehrpflicht ausgesetzt. Seither wirbt die Bundeswehr um Freiwillige. Fast ein Drittel davon bricht derzeit den Dienst nach sechsmonatiger Probezeit wieder ab.

Friedemann Vogel (29) ist Juniorprofessor für Medienlinguistik an der Uni Freiburg. Vor seinem Studium absolvierte er seinen Zivildienst.

Zum Beispiel?

Vogel: Durch das informelle „Du“ werden die jungen Nutzer auf Augenhöhe angesprochen. Es kommen viele Elemente der Jugendsprache vor, etwa „aufpimpen“. Dabei werden militärische Sachverhalte mit dem Alltag in Verbindung gebracht. Zum Beispiel gibt es einen Kalender, mit dem Schüler ihre Termine „treffsicher wie die Artillerie“ planen sollen.

Das Kinderhilfswerk Terre des Hommes sieht sogar die Uno-Kinderrechtskonvention verletzt, also die staatliche Schutzpflicht gegenüber Schülern.

Vogel: Alles, was eine Kontroverse oder gar Angst auslösen könnte, kommt konsequent nicht vor. Dass der Dienst an der Waffe im Ernstfall auch den Tod bedeuten kann, spielt nahezu keine Rolle. Die Bundeswehr erscheint eher als bewaffneter Sportverein.

„Wir sollten diskutieren, ob die Bundeswehr überhaupt werben sollte.“

Wie werden die Auslandseinsätze dargestellt?

Vogel: Die Gefahr kommt nur sehr abstrakt vor – wenn überhaupt. Meistens geht es darum, in einem spielerischen Reportage-Stil die Truppenteile vorzustellen. So steht über dem Porträt einer Flugzeugtechnikerin in Masar-i-Sharif (Afghanistan; Anmerk. d. Red.) der Titel „Viel Abwechslung“.

Glauben Sie, dass Jugendliche das durchschauen?

Vogel: Die Wirkung haben wir nicht untersucht. Ich vermute allerdings, dass vor allem die Jugendlichen auf diese Emotionen ansprechen, bei denen nicht gerade jeden Abend am Küchentisch über den Afghanistan-Einsatz diskutiert wird. Wer auf der Suche nach einer Lebensperspektive ist, lässt sich wohl schneller auf die Botschaft der Bundeswehr ein: „Bei uns kannst du immer was werden.“

Wie hat die Bundeswehr auf Ihre Studie reagiert?

Vogel: Soweit ich das sehe, wird weitergemacht wie bisher. Ein Presseoffizier hat lediglich erklärt, man könne den Jugendlichen doch keine realen Bilder aus Einsätzen zumuten. Das sagt im Grunde schon alles.

Welche Alternative sehen Sie?

Vogel: Wir sollten zunächst einmal diskutieren, ob die Bundeswehr überhaupt werben sollte. Und selbst wenn, dann sollte sie mit dieser Frage von der Öffentlichkeit nicht alleine gelassen werden. Ich möchte jedenfalls nicht, dass unsere „Zukunft im Visier“ der Bundeswehr ist.

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