Warum Peter H. Ditko, Chef der Deutschen Rednerschule, die Kanzlerin im Vergleich zum Kandidaten vorn sieht.

Peter H. Ditko
Peter H. Ditko

Peter H. Ditko

nn

Peter H. Ditko

Berlin. Bei ihm haben schon viele Abgeordnete, Spitzenpolitiker und Wirtschaftsbosse das Reden gelernt: Peter H. Ditko (Foto) ist Chef der Deutschen Rednerschule. Im Interview mit unserer Zeitung verrät Ditko, worauf es bei einem geschliffenen Polit-Vortrag ankommt – und wer im Bundestagswahljahr rhetorisch die Nase vorn haben dürfte.

Herr Ditko, das Wahljahr 2013 wird auch ein Duell der Redner Angela Merkel und Peer Steinbrück. Wer ist rhetorisch im Vorteil?

Ditko: Angela Merkel. Die Kanzlerin ist sehr schwer zu packen, weil sie eine sehr strukturierte Rednerin ist. Deswegen sehe ich bei ihr im Vergleich zu Steinbrück Vorteile. Außerdem arbeitet und redet Merkel ausgesprochen strategisch.

Hat Steinbrück nicht mehr Biss?

Ditko: Grundsätzlich gilt: Angreifer sind immer in einer schwierigeren Position. Steinbrück kann gewiss sehr ironisch und anekdotenhaft sein. Das ist ein Pluspunkt. Dazu passt jedoch häufig seine Mimik nicht. Die ist sehr hart und verschlossen. Mimik und Körpersprache sind aber wesentlich wichtiger geworden. Außerdem hält Steinbrück seine Reden oft sehr verbissen. Das wollen die Menschen nicht.

Hat die Eurokrise die Rhetorik verändert?

Ditko: Die Reden sind einseitiger geworden. Das liegt auch daran, dass die Kanzlerin nur ein einziges Mantra kennt – und das heißt: Dazu gibt es keine Alternative. Wenn ich keine Alternative habe, brauche ich auch nicht mehr zu kämpfen und mich rhetorisch anzustrengen. Das merkt man derzeit bei Merkel.

Was macht einen guten politischen Redner aus?

Ditko: Ein guter politischer Redner muss seine Inhalte sehr präzise rüberbringen. Helmut Schmidt gelingt das, er ist stets sehr sachlich. Ein guter Redner muss aber auch einen Unterhaltungswert haben. Das heißt, man hört demjenigen gerne zu. Im Bundestag finden sich immer weniger, die diese Kriterien erfüllen. Und wenn, dann sind es die üblichen Verdächtigen wie Gregor Gysi.

FDP-Chef Philipp Rösler spricht stets frei. Macht das die Sache schwieriger?

Ditko: Rösler hat ein anderes Problem: Es ist die Art seines Redens, die uns ein wenig fremd ist. Seine Rhetorik ist asiatisch, das heißt, er ist immer freundlich, immer lächelnd. Das ist für uns Deutsche schwer nachzuvollziehen. Und das macht es dem politischen Gegner einfacher.

Wie finden Sie FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle?

Ditko: Den kann man manchmal gar nicht verstehen. Brüderle ist ein starker Angreifer, er muss aber an seiner Aussprachetechnik arbeiten. Guido Westerwelle ist der beste Redner bei der FDP. Er hält sich aber wegen seines Außenminister-Amtes zurück.

Und wer überzeugt Sie bei den Grünen?

Ditko: Im Augenblick Jürgen Trittin. Er ist einfach der Bekannteste. Was auch daran liegt, dass sich bei den Grünen die Frauen als Rednerinnen schwer tun.

Leserkommentare (2)


() Registrierte Nutzer