Der Maulwurf beim Verfassungsschutz ist enttarnt: Es soll ein Familienvater (51) aus dem Kreis Viersen sein.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln. Foto: Oliver Berg
Das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln. Foto: Oliver Berg

Das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln. Foto: Oliver Berg

dpa

Das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln. Foto: Oliver Berg

Kreis Viersen/Berlin. Eigentlich hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) den 51-jährigen „Quereinsteiger“ im April nach intensiver Sicherheitsüberprüfung eingestellt, damit er die wachsende Islamisten-Szene überwacht. Doch im November fiel der in Observationen eingesetzte Mann (51), der aus dem Kreis Viersen stammen soll, Kollegen im Kölner Amt mit islamistischen Äußerungen im Internet auf. Was er in Chats anbot, alarmierte die Geheimdienstler. Was der nun festgenommene mutmaßliche Islamist nicht wusste: Sein Chat-Partner war ein surfender Kollege. Wie lauten die Vorwürfe gegen den Verdächtigen?

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt gegen den Mann wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der versuchten Verletzung von Dienstgeheimnissen. Geprüft wird, ob der Generalbundesanwalt den Fall übernimmt. Das Bundeskriminalamt führt die Ermittlungen.

Hat der 51-Jährige selbst einen Anschlag geplant?

Er hat dem vermeintlichen Islamisten, der in Wirklichkeit ein Kollege vom Geheimdienst war, nach Medien-Informationen angeboten, Gleichgesinnten Zugang zum Hauptsitz des BfV in Köln zu verschaffen. Die Staatsanwaltschaft relativiert aber Berichte über einen geplanten Bombenanschlag. Die Ermittlungen hätten bislang keine Hinweise ergeben, dass eine reale Gefahr bestanden habe.

Wie ist der Konvertit vorgegangen?

Er soll sich beim Verfassungsschutz eingeschlichen haben, um gleichgesinnte Islamisten vor Polizeiaktionen zu warnen und ihnen einen Anschlag auf das BfV zu ermöglichen. Der Familienvater hat sich laut Staatsanwaltschaft im Internet mit islamistischen Äußerungen hervorgetan. Dort soll er sich seinem Chatpartner als Mitarbeiter des Verfassungsschutzes zu erkennen gegeben und dabei „inhaltlich zutreffend Einsatzanlässe und -orte offenbart“ haben. Wie sind die Ermittler dem Mann auf die Schliche gekommen?

Die Geheimdienstler überwachen etwa Chats und Facebook-Einträge von radikalen Islamisten und Salafisten. Dabei fiel auch der Verdächtige auf – und zwar kurz nach der Verhaftung des mutmaßlichen Hildesheimer Top-Islamisten Abu Walaa (32) am 8. November. Abu Walaa könnte bei der Radikalisierung eine Rolle gespielt haben. Abu Walaa hat einen Wohnsitz in St. Tönis. Nach Abu Walaas Verhaftung soll der 51-Jährige mit seinen wirren Postings begonnen haben, die letztendlich zu seiner Enttarnung beitrugen. Ob der Maulwurf die angebliche Nummer Eins des Terrornetzwerkes Islamischer Staat in Deutschland auch persönlich kannte, ist offen.

Der Verdächtige hat sich bei Vernehmungen geäußert. Wie?

Laut Staatsanwaltschaft Düsseldorf bezeichnet sich der Mann als Konvertit. Die Vorwürfe gegen ihn habe er eingeräumt. So soll der Verdächtige seinem Chatpartner gesagt haben, ein Anschlag auf das BfV sei „sicher im Sinne Allahs“. Er sei zu allem bereit, „um den Brüdern zu helfen“. Laut „Süddeutscher Zeitung“ soll er den Ermittlern gesagt haben, er gehöre einer Organisation an, die noch immer arbeite. Falls er freigelassen werde, würde er ins IS-Kriegsgebiet nach Syrien gehen. Damit lieferte der Mann den Grund für den Haftbefehl: Fluchtgefahr.

Hatte der Islamist Kontakt zu „echten“ Glaubensbrüdern?

Die Ermittler glauben: Nein. Es gebe keine belastbare Anhaltspunkte dafür, dass der Verdächtige vor seinem Kontakt zu dem undercover arbeitenden BfV-Mann sicherheitsrelevante Kenntnisse an Mitglieder der salafistischen Szene weiter gegeben habe.

Was ist noch über den Verdächtigen bekannt?

Nach Informationen unserer Zeitung war der Familienvater vor seiner Tätigkeit für den Verfassungsschutz leitender Angestellter einer Bank in Krefeld. Wegen geplanter Umstrukturierungen dort habe er sich nach einer neuen Tätigkeit umgesehen. Der gebürtige Spanier besitze seit langem die deutsche Staatsangehörigkeit. Er ist Vater von vier Kindern. Eines davon ist behindert. Das Schicksal dieses Kindes machte er mehrfach öffentlich, wohl auch, um Geld für eine Tier-Therapie zu sammeln. Von seiner Konvertierung zum Islam und einer möglichen Radikalisierung soll niemand etwas mitbekommen haben. Er habe ein regelrechtes Doppelleben geführt, hieß es.

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