500 E-Autos werden aktuell von Postzustellern getestet. Langfristig sollen es 30 000 sein. Gebaut werden die Fahrzeuge in Aachen.

Frank Mair testet den Streetscooter in Radevormwald
Frank Mair testet den Streetscooter in Radevormwald

Frank Mair testet den Streetscooter in Radevormwald

Roland Keusch

Frank Mair testet den Streetscooter in Radevormwald

Düsseldorf. Eine Grefratherin hat jüngst nicht schlecht gestaunt, als der für sie zuständige Postbote mit einem nagelneuen E-Auto vorfuhr. Postzustellung im Zeichen des Umweltschutzes. Noch ist diese Begegnung recht selten in Nordrhein-Westfalen. Das soll sich aber zügig ändern, wie Achim Gahr, Sprecher der Deutschen Post in Düsseldorf versichert. In unserer Region werden derzeit sechs Fahrzeuge in Grefrath eingesetzt, ebenfalls sechs in Nettetal, vier in Radevormwald, zwölf in Hückelhoven und vier in Wegberg.

„Vielleicht heißt das im Winter Sitzheizung oder stehen bleiben.“
Frank Mair, Postzusteller, der in Radevormwald einen Streetscooter testet.

Das ganze Projekt hatte mit einer Zusammenarbeit der Deutschen Post mit dem 2010 gegründeten Aachener Startup-Unternehmen Streetscooter begonnen. Die Grundidee stammte von der RWTH Aachen. „Nachdem der erste Prototyp 2012 in verschiedenen Workshops getestet worden war und sich in punkto Ausstattung, Ladekapazität und Sicherheitsstandards als geeignet erwiesen hatte, wurden seit Anfang 2014 insgesamt 150 Vorserienfahrzeuge in verschiedenen Zustellstützpunkten bundesweit im Betrieb eingesetzt“, sagt Gahr. Bereits Ende 2014 gab die Deutsche Post bekannt, Streetscooter zu kaufen. Die GmbH ist seitdem eine hundertprozentige Tochter des Konzerns.

Die ersten 2000 Serienfahrzeuge werden in diesem Jahr gebaut

Die Deutsche Post lässt den selbst entwickelten Elektro-Transporter nun in Serie produzieren. Die ersten 2000 Fahrzeuge sollen noch in diesem Jahr in Aachen vom Band rollen, sagt Gahr. Die Kosten pro Fahrzeug will die Deutsche Post nicht veröffentlichen. Nach und nach werde das Unternehmen bis zu 30 000 Fahrzeuge durch den Streetscooter ersetzen. Die Brief- und Paketzusteller seien laut Gahr bei der Entwicklung eng eingebunden worden. So ist er ein Transporter mit einem großen Laderaum entstanden, der auch technisch auf die Bedürfnisse der Zusteller zugeschnitten sei.

Derzeit werden 500 E-Autos bundesweit und in den Niederlanden eingesetzt. Die Fahrzeuge werden natürlich ausgiebig getestet. Unter anderem sind vier Streetscooter zu Testzwecken in Radevormwald unterwegs. Das wiederum ist laut Postsprecher Rainer Ernzer ein Stresstest für die E-Autos. „Radevormwald ist der einzige Standort im Bergischen Land, wo wir das Fahrzeug einsetzen“, sagt Ernzer: „50 Kilometer hier sind eine andere Herausforderung als im Münsterland.“ Gleiches gilt für das raue Klima. „Vielleicht heißt das im Winter Sitzheizung oder stehen bleiben“, übersetzt Postzusteller Frank Mair die Problematik. Das wird der Alltagstest noch zeigen. Der Akku soll für 50 bis 80 Kilometer reichen. Ob das auch im hügeligen Bergischen Land zutrifft, wird der Test zeigen.

Der Streetscooter für die Brief- und Paketzustellung muss bis zu 300 Stopps und Anfahrvorgänge bewältigen und ist bis zu 300 Tage im Jahr im Einsatz. Der Kastenaufbau in robuster und einfacher Bauweise – das Fahrzeug ist insgesamt rund 4,6 Meter lang – bietet genügend Ladevolumen für die Briefe und Pakete und verfügt außerdem über eine Ausstattung, die allen Sicherheitsstandards entspricht. Das Fahrzeug fährt bis zu 80 Kilometer pro Stunde und ist primär für die Zustellung auf dem Land sowie in kleineren und mittleren Städten ausgelegt. Es hat eine Leistung von bis zu 30 kW, die von einer Lithium-Ionen- Batterie und einem Asynchronmotor erzeugt wird.

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