Lässt auch der SPD-Mann eine Bombe platzen?

Untersuchungsausschuss
Michael Hartmann bei seinem Auftritt vor dem U-Ausschuss des Bundestages. Foto: Bernd von Jutrczenka

Michael Hartmann bei seinem Auftritt vor dem U-Ausschuss des Bundestages. Foto: Bernd von Jutrczenka

dpa

Michael Hartmann bei seinem Auftritt vor dem U-Ausschuss des Bundestages. Foto: Bernd von Jutrczenka

Berlin. Am Mittwochmorgen war SPD-Parlamentsgeschäftsführerin Christine Lambrecht noch voll des Lobes für Michael Hartmann: "Hartmann macht sich gut. Er arbeitet sich tüchtig in sein neues Arbeitsfeld ein." Am Freitag wollte sich Lambrecht zu ihrem Genossen nicht mehr einlassen. Denn zwischenzeitlich hatte es im Edathy-Untersuchungsausschuss eine dramatische Wende gegeben, die den früheren Innen- und jetzigen Europapolitiker schwer in Bedrängnis bringt. Manch einer vermutet, dass Hartmann die Sache politisch nicht überlebt.

So hatte ausgerechnet der Zeuge Jens J., ein früherer Hartmann-Mitarbeiter und Vertrauter des unter Kinderpornoverdacht stehenden Ex-Abgeordneten Sebastian Edathy, Hartmanns Glaubwürdigkeit erschüttert. J. sagte am Donnerstagabend aus, er sei noch vor Edathy von Hartmann unterrichtet worden, dass Edathys Name auf der Liste eines kanadischen Kinderpornohändlers stand. Hartmann hatte bisher immer bestritten, von den Ermittlungen Kenntnis gehabt zu haben. Edathy will damals auch mit Vertrauten über Hartmanns Äußerungen gesprochen haben. Dazu zählten zwei seiner Mitarbeiter. Beide stützten im Ausschuss ebenfalls Edathys Version.

Der 51-Jährige Hartmann steht nun als Lügner da. Wenn alles stimmt, was die Zeugen ausgesagt haben, und davon gehen selbst die SPD-Mitglieder im Untersuchungsausschuss aus, stellt sich die Frage, warum Hartmann gelogen hat. Und wenn dem so ist, von wem er die Informationen über die Ermittlungen wirklich erhielt. Edathy hatte behauptet, Hartmann sei vom ehemaligen BKA-Chef Jörg Ziercke unterrichtet worden. Der bestritt dies Mitte Januar bei seinem Auftritt im Untersuchungsausschuss. Spekuliert wird auch darüber, dass Hartmann vielleicht doch aus der SPD-Spitze unterrichtet worden sein könnte. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hatte ihn gebeten, sich um Edathy zu kümmern. Mit Spannung wird jetzt der 5. Februar erwartet, an dem Hartmann erneut im Untersuchungsausschuss aussagen soll. Lässt diesmal er eine Bombe platzen? Macht er reinen Tisch?

Hartmann wollte sich am Freitag auf Nachfrage nicht zum Sachverhalt äußern. Mitstreiter beschrieben ihn aber als "ziemlich angeschlagen". Er hatte von der SPD-Spitze und von seinem Landesverband Rheinland-Pfalz eine zweite Chance bekommen, nachdem er im vergangenen Jahr des Konsums der Droge Crystal Meth überführt worden war. Diese Chance, so sieht man es in Berlin, könnte Hartmann angesichts der Vorwürfe verspielt haben. Der Druck auf ihn ist jedenfalls groß - und wie man hört, ist offen, ob er ihm standhalten wird. Vor allem die SPD in Rheinland-Pfalz verlangt ultimativ Klarheit: Man habe ein Recht darauf, "dass diese Ungereimtheiten aufgeklärt werden", so Generalsekretär Jens Guth. Dem Vernehmen nach soll Hartmann zugesagt haben, die Klarstellung im Ausschuss zu liefern. Aus der Bundestagsfraktion hieß es, man wolle jetzt die anstehende Vernehmung abwarten. "Aber die Situation ist in der Tat gänzlich neu."

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