Atommeiler werden abgeschaltet – dennoch wird Energie zu Spottpreisen ins Ausland abgegeben.

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Der massive Ausbau von Windenergie macht das Land zum Exportmeister beim Strom.

Der massive Ausbau von Windenergie macht das Land zum Exportmeister beim Strom.

dpa

Der massive Ausbau von Windenergie macht das Land zum Exportmeister beim Strom.

Berlin/Bonn. Deutschland hätte ein Problem, wenn jetzt auch noch die acht Atomkraftwerke laufen würden, die nach der Katastrophe von Fukushima stillgelegt worden sind. Denn der massive Ausbau von Wind- und Solarenergie macht das Land zum Exportmeister beim Strom.

2012 wurden so viele Mengen ins Ausland transportiert, wie noch nie – rund 23 Milliarden Kilowattstunden, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft am Donnerstag in Berlin mitteilte. Das entspricht der Jahresproduktion von mehr als zwei Kernkraftwerken. Mehrfach wurde Strom ins Ausland verschenkt oder die Abnahme mit einem Bonus bedacht, damit das Netz nicht kollabierte.

9200 Megawatt wurden an einem Tag ins Ausland transportiert

Es ist paradox: Industrie und konventionelle Energiewirtschaft hatten wiederholt vor Blackouts wegen der Energiewende gewarnt. Aber bis auf wenige Ausnahmen war bisher zu viel statt zu wenig Strom im Netz. Das fördert das Phänomen negativer Strompreise.

Am 1. Weihnachtsfeiertag wurden um 4 Uhr für die Stromabnahme 220 Euro pro Megawattstunde gezahlt, damit der zu viel produzierte Strom abgenommen wurde. Bis zu 9200 Megawatt wurden ins Ausland transportiert. Gerade die Kraftwerksbetreiber litten darunter.

Im Jahresverlauf 2012 registrierte die europäische Strombörse Epex Spot mit Sitz in Paris an 15 Tagen solche negativen Strompreise. „Dabei trifft eine hohe Produktion, meist aus Winderzeugung, auf eine sehr niedrige Nachfrage“, sagte Jonathan Fasel von der Epex. Das war Weihnachten der Fall. Der deutsche Markt sei aber in der Lage gewesen, die großen Mengen des Stroms aus aufzunehmen.

Dennoch war die Situation an Weihnachten außergewöhnlich: Der Verbrauch lag am ersten Feiertag bei 35 000 bis 47 000 Megawatt in der Spitze. Das ist etwa die Hälfte der Menge, die an sehr kalten Wintertagen verbraucht wird. Rainer Baake, Direktor der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende, betont: „Der konventionelle Kraftwerkspark hätte seine Leistung anpassen müssen. Da dies nicht geschehen ist, kam es zu negativen Strompreisen.“

Negative Preise sind ein Steuerungsinstrument

Kraftwerksbetreiber mussten sogar Geld bezahlen, um den Strom loszuwerden. „Die Abnehmer, insbesondere auch in den Niederlanden, haben sich gefreut“, betont Baake. Ein Problem ist, dass Kohle- und Atomkraftwerke nur bedingt rasch rauf- und runtergefahren werden können. Daher werden als Ergänzung zu immer mehr Wind- und Solarstrom Gaskraftwerke gebraucht.

Doch gerade diese lohnen sich kaum: Wegen eines Verfalls bei den CO2-Verschmutzungsrechten werden sie neben Ökostrom von einem steigenden Kohlestromanteil aus dem Markt gedrängt. „Negative Preise sind ein Steuerungsinstrument“, beschreibt Sabine Jeschke von der RWE-Handelstochter Supply & Trading die Lage – der produzierte Strom muss ja verbraucht werden.

Der Verbraucher profitiert nicht von dem Überschuss an Strom

Ein Verlierer an Weihnachten war der Verbraucher durch die Aufblähung der Ökostrom-Umlage. Bei ihm kommen sinkende Einkaufspreise für Strom kaum an. Denn die auf den Strompreis aufgeschlagene Abgabe berechnet sich aus der Differenz zwischen dem erzielten Marktpreis und der festen Einspeisevergütung. Baake schätzt, dass die Umlage durch die Negativpreise an Weihnachten mit 28 Millionen Euro mehr belastet wurde.

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