In Depots lagern Tausende Tonnen Lebensmittel für den Kriegsfall. Jetzt soll das Konzept reformiert werden.

Getreideernte 2008 fast ein Drittel über dem Vorjahresniveau
600 000 Tonnen Getreide sind in Deutschland für einen eventuellen Lebensmittelnotstand eingelagert

600 000 Tonnen Getreide sind in Deutschland für einen eventuellen Lebensmittelnotstand eingelagert

A3276 Martin Gerten

600 000 Tonnen Getreide sind in Deutschland für einen eventuellen Lebensmittelnotstand eingelagert

Berlin. Die wenigsten Menschen in Deutschland wissen: In knapp 150 Lagern liegen – bundesweit verstreut – 600 000 Tonnen Getreide, 65 000 Tonnen Reis, dazu Tausende Tonnen an Erbsen, Linsen, Vollmilchpulver und Kondensmilch. In einem Verteidigungsfall sollen mit diesen Vorräten kurzfristig Engpässe überbrückt werden.

Insgesamt haben die Waren einen Wert von 200 Millionen Euro. Allein das Vorhalten der Lebensmittel kostet den Bund rund 20 Millionen Euro im Jahr. Doch das ist den Haushältern einerseits zu teuer, andererseits nicht mehr zeitgemäß.

Sie machen Druck auf die schwarz-gelbe Koalition. Nach Informationen unserer Zeitung hat der zuständige Ausschuss des Bundestages die Mittel für die Lebensmittelbevorratung gekappt.

Die Bedrohungsszenarien haben sich verändert

Angesichts der internationalen Vernetzung Deutschlands und der hohen Verfügbarkeit von Lebensmitteln könne die Notfallversorgung auch anders garantiert werden, sagt der Unions-Experte Georg Schirmbeck.

Im Krisenfall würde „keiner verhungern“. Schirmbeck sieht die Sache zugleich praktisch: Heutzutage könne kaum mehr jemand etwas „mit einer Tüte Getreide anfangen, schon gar nicht ein Brot backen“. Auch die Bedrohungsszenarien hätten sich verändert. Ging es früher um Krieg, müsse heute eher auf mögliche Naturkatastrophen reagiert werden.

Eingerichtet wurde die Reserve im Kalten Krieg. Alle zehn Jahre werden die Bestände ausgetauscht, alle vier bis sechs Wochen wird ihr Zustand kontrolliert.

Im Gespräch sind etwa „Einmannpackungen“. Das sind Fertiggerichte, wie sie die Bundeswehr benutzt. Zudem soll in einem „rollierenden System“ anderen Staaten bei Katastrophen geholfen werden, um die eigenen Bestände wieder zu erneuern. Kosten pro Jahr: fünf bis sechs Millionen Euro.

Ähnlich sieht es auch der Bundesrechnungshof: Es gebe „kein Gesamtkonzept zur Krisenbewältigung“, heißt es in den jüngst vorgestellten Bemerkungen der Rechnungsprüfer. Gut 2,5 Millionen Euro wurden deshalb jetzt vom Haushaltsausschuss für das Jahr 2013 gestrichen.

Dadurch soll der Druck auf den Bund erhöht werden, sich mit den Ländern auf ein neues Konzept zu verständigen. Geplant ist zudem, die Mittel für die Reserve weiter „sukzessive“ herunterzufahren.

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