222 Kilo an Verpackungen wirft jeder Bundesbürger im Jahr weg. Die Grünen sehen keine Trendwende.

Müll
222 Kilo an Verpackungen wirft jeder Bundesbürger im Jahr weg. Archivbild.

222 Kilo an Verpackungen wirft jeder Bundesbürger im Jahr weg. Archivbild.

Daniel Karmann

222 Kilo an Verpackungen wirft jeder Bundesbürger im Jahr weg. Archivbild.

Berlin. Es ist ein zweifelhafter Titel: Die Bundesbürger sind beim Abfall mal wieder Europameister. Statistisch gesehen hat laut Bundesumweltministerium jeder Einwohner im Jahr 2015 so viel Verpackungsmüll in die Tonne geworfen wie noch nie: 222,2 Kilogramm, das sind 2,7 Kilo mehr als noch ein Jahr zuvor. In keinem anderen Land der Europäischen Union wird mehr entsorgt.

Das geht aus einer unserer Redaktion vorliegenden Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor. Nach den aktuell verfügbaren Daten fielen demnach in Deutschland im Jahr 2015 insgesamt über 18,1 Millionen Tonnen Müll aus Plastik, Aluminium oder Kartons an. 2014 waren es noch 17, 7 Millionen Tonnen. Damit liegt die Republik, freilich das bevölkerungsreichste EU-Land, einsam an der europäischen Spitze. Und das schon seit Jahren.

Auf Platz zwei folgt Frankreich mit 12,4 Millionen Tonnen, vor Italien mit 12,3 und Großbritannien mit 11,4 Millionen Tonnen. Hingegen haben die Bürger in Spanien nur 7,4, die in Polen fünf und die in den Niederlanden 2,4 Millionen Tonnen weggeworfen. In Griechenland waren es lediglich 742.000 Tonnen. Fazit der Regierung: Bei der Pro-Kopf-Quote „fallen in Deutschland die meisten Verpackungsabfälle pro Einwohner an“. Zur Wahrheit gehört freilich: Der Anteil der Verbraucher bei den Verpackungsabfällen betrug lediglich 46,6 Prozent. Der große Teil von 53,4 Prozent entfällt auf Industrie und Gewerbe.

Selbst Gemüse ist zum Teil von Folie oder Schaumstoff umhüllt

Seit Jahren nimmt der Verpackungsmüll stetig zu. Warum, zeigt ein Blick in die Supermärkte: kaum ein Produkt, das ohne Plastikverpackung auskommt, selbst Gemüse ist zum Teil von Folie oder Schaumstoff umhüllt. Gleichwohl hofft das Bundesumweltministerium jetzt auf eine Trendwende. In der Antwort heißt es, vom neuen Verpackungsgesetz würden „weitere Impulse nicht nur zu einem noch konsequenteren Recycling, sondern auch zur Vermeidung von Verpackungsabfällen ausgehen“. Das Gesetz war heftig umstritten, bis es im Mai vergangenen Jahres die letzte Hürde im Bundesrat nahm. Es sieht unter anderem vor, dass wesentlich mehr Abfälle aus privaten Haushalten künftig recycelt werden müssen. Außerdem werden Hersteller dazu angehalten, ökologisch vorteilhafte Verpackungen zu verwenden. Zudem müssen Einzelhändler am Regal kennzeichnen, wo Mehrweg- oder Einweggetränke stehen. Darüber hinaus wurde die Pfandpflicht ausgeweitet.

Die Grünen glauben freilich nicht an einen Rückgang beim Müllaufkommen. „Die wachsenden Abfallberge offenbaren, dass der Bundesregierung Mumm und Sensibilität für eine ambitionierte Abfallpolitik fehlt“, so Fraktionschef Anton Hofreiter zu unserer Redaktion. Das neue Verpackungsgesetz bleibe „Makulatur“. Die Umweltexpertin der Fraktion, Bettina Hoffmann, bezeichnete die Maßnahmen der rot-schwarzen Bundesregierung als Placebo. „Eine Trendwende ist leider nicht in Sicht.“ Die Grüne forderte, die Lizenzentgelte für das Bereitstellen von Verpackungen ökologisch zu staffeln. Auch die Deutsche Umwelthilfe sprach von einem „besorgniserregenden Signal“.

 

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