Seit 1961 spielen Abgeordnete als FC Bundestag gemeinsam Fußball. Nun wollen AfD-Parlamentarier mitkicken. Das sorgt für Ärger.

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Symbolbild.

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Tobias Hase

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Berlin. Seit 1961 spielen Abgeordnete als FC Bundestag ziemlich erfolgreich gemeinsam Fußball. Darunter waren große Namen wie Joschka Fischer, Oskar Lafontaine oder Peter Struck. Politik und Streit blieben bisher außen vor. Doch nun wollen AfD-Parlamentarier mitkicken. Das sorgt für Ärger. Der Offensivspieler und Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Dirk Wiese (SPD), erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, worum es geht.

Herr Wiese, steckt der so erfolgsverwöhnte FC Bundestag in der Krise?

Dirk Wiese: Nein, auf keinen Fall.

Spielerisch vielleicht nicht. Aber ihr Team ringt darum, ob AfD-Abgeordnete mitkicken dürfen. Wie sehen Sie das?

Dirk Wiese: Es stimmt, diese Diskussion haben wir intern geführt und noch nicht abgeschlossen. Für mich ist klar: Der FC Bundestag steht mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes. Wir haben klare Werte und Vorstellungen. Von daher gilt für mich: Gesicht zeigen. Nicht weglaufen.

Das heißt?

Dirk Wiese: Ich überlasse denen doch nicht den Fußballplatz. Gegen Rassismus muss man überall Farbe bekennen. Im Plenum, in den Ausschüssen und auf'm Platz.

Gleichwohl ist die Überparteilichkeit doch immer das Markenzeichen ihres Teams gewesen.

Dirk Wiese: Natürlich. In der letzten Legislaturperiode hatten wir Mitspieler von der CSU bis zur Linkspartei. Bei uns können auch Kolleginnen kicken. Wir verfolgen ein sehr offenes Prinzip. Das entspricht unserer Tradition und auch der repräsentativen Aufgabe, die der FC Bundestag zweifellos hat.

Aber?

Dirk Wiese: Den FC Bundestag hat immer auch Weltoffenheit ausgezeichnet. Wir spielen für gute Zwecke, wir kicken international. Auch treffen wir auf Initiativen, die sich gegen Rechts engagieren. Für uns hat auf dem Fußballplatz rechtsnationales, rassistisches Gedankengut nichts zu suchen.

Wird die ganze Sache nicht zu sehr politisch aufgeladen? Fußball hat ja auch etwas Verbindendes.

Dirk Wiese: Selbstverständlich. Fußball verbindet. Die Erfolge der Nationalmannschaft hätte es ohne Jerome Boateng in der Abwehr nicht gegeben. Aber es gibt auch klare Regeln und Grundwerte, die wir deshalb nicht außer Acht lassen dürfen.

Wollen Sie aufhören, wenn Sie am Ende doch mit AfD-Kickern auf dem Platz stehen müssen?

Dirk Wiese: Ich bin bekennender BVB-Fan. Auch bei Borussia Dortmund findet man unter den Zuschauern welche, die man lieber nicht dabei haben möchte. Das heißt aber nicht, dass ich ihnen das Stadion überlasse und nicht mehr hingehe. Wenn es so kommen sollte und sich dann zeigt, dass die AfD‘ler auch auf dem Fußballplatz ihre Gesinnung nach außen tragen, dann gibt es eine deutliche Ansage. Und einen Platzverweis.

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