Am Montag trifft sich die CSU in Wildbad Kreuth – der Parteichef setzt auf Harmonie.

Seehofer
Für Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer geht es im bevorstehenden Wahlkampf im Freistaat um viel.

Für Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer geht es im bevorstehenden Wahlkampf im Freistaat um viel.

dpa

Für Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer geht es im bevorstehenden Wahlkampf im Freistaat um viel.

Berlin/München. Es gab einmal eine Tagung, da wurde ein CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident regelrecht vom Hof gejagt – das Schicksal ereilte im Jahr 2007 Edmund Stoiber. Seitdem gilt das idyllische Wildbad Kreuth am Tegernsee auch als Brutstätte für CSU-interne Revolutionen.

Horst Seehofer, derzeit Parteichef, weiß das. Er war am Putsch gegen Stoiber maßgeblich beteiligt. Wenn ab kommendem Montag die christsozialen Bundestagsabgeordneten wieder in Kreuth zur alljährlichen Klausur zusammenkommen, ist jedoch keine Revolte zu erwarten.

Die Bundestags- und insbesondere die Landtagswahlen stehen im September an und die CSU hat Chancen, in Bayern die schmerzlich vermisste absolute Mehrheit zurückzuerobern. Um des lieben Friedens Willen werden die meisten Abgeordneten die Faust in der Tasche ballen, um dann abends in kleinen Kreisen ihren Frust über den Parteichef abzubauen.

Eigentlich lästert Seehofer gerne über sein eigenes Spitzenpersonal

„Ach ja, der Horst“, stöhnen sie in Berlin. Seehofer gilt in der Hauptstadt als unberechenbar. Sein Verhältnis zur Landesgruppe ist unterkühlt, die CSU-Abgeordneten fühlen sich missachtet und beklagen ihren Bedeutungsverlust.

Deren Chefin Gerda Hasselfeldt macht aus unterschiedlichen Auffassungen inzwischen keinen Hehl mehr. Aber die direkte Konfrontation mit dem Vorsitzenden meidet Hasselfeldt. Für sie geht es um die Sache: „Für mich zählen die Ergebnisse“, sagt sie. So soll es auch in Kreuth sein.

Das Programm teilt sich in zwei Blöcke – Impulse von außen und eine Besinnung auf die eigene Arbeit. Für die Außenimpulse sollen am Dienstag Irlands Premierminister Enda Kenny, der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der Chef des Bundesnachrichtendienstes, Gerhard Schindler, sorgen.

Am Mittwoch wird es vor allem um die Energiewende gehen – Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) wird in Kreuth mit Wirtschaftsvertretern und den CSU-Politikern ein Gespräch führen.

Das unterscheidet sie von Seehofer. Der bayerische Löwe mit dem Hang zu beißendem Spott schlingert inhaltlich oft. Er stößt Debatten zur Unzeit an, wie jetzt über schwarz-grüne Bündnisse. Vor allem aber lästert Seehofer häufig über das eigene Spitzenpersonal, das sich kräftig um die Nachfolge balgt.

Kürzlich bekam das der bayerische Finanzminister Markus Söder zu spüren, den er als „vom Ehrgeiz zerfressen“ bloß stellte. Von den CSU-Bundesministern hat einzig Verbraucherministerin Ilse Aigner im Moment Seehofers Gunst. Mit Innenminister Hans-Peter Friedrich und Verkehrsminister Peter Ramsauer hat es sich der CSU-Regent längst verscherzt.

Mit der CSU-Landesgruppe in Berlin ist der Parteichef „sehr zufrieden“

Um den Takt für die Klausur vorzugeben, sendete Seehofer übrigens zuletzt Liebesgrüße aus München an seine Landesgruppe: Er sei mit dem Auftreten der CSU in der Hauptstadt „sehr zufrieden“, meint er, Kreuth dabei fest im Blick. Wie sagen sie noch in Berlin? „Ach ja, der Horst.“

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