In seiner Karriere musste Christian Wulff schon so einige Rückschläge hinnehmen.

Porträt
Bettina und Christian Wulff auf ihrer letzten Auslandsreise, die sie vor wenigen Tagen nach Italien geführt hatte.

Bettina und Christian Wulff auf ihrer letzten Auslandsreise, die sie vor wenigen Tagen nach Italien geführt hatte.

Wolfgang Kumm

Bettina und Christian Wulff auf ihrer letzten Auslandsreise, die sie vor wenigen Tagen nach Italien geführt hatte.

Berlin. Christian Wulff war mit 51 Jahren der jüngste Bundespräsident, der ins Amt kam. 19 Monate später verlässt er Schloss Bellevue nach der kürzesten Amtsperiode eines deutschen Staatsoberhaupts. Die kurze Amtszeit war schon unrund gestartet. Erst nach einer langen Zitterpartie und drei Wahlgängen war am 30. Juni 2010 klar, dass der damalige niedersächsische CDU-Ministerpräsident ins Präsidentenamt wechseln konnte.

„Mir fehlt der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles unterzuordnen.“

Christian Wulff

Es folgte ein relativ unspektakuläres erstes Jahr – geblieben ist vor allem der eine Satz: „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Damit wollte Wulff ein Zeichen für Integration und Zusammenhalt der Gesellschaft setzen. Das sollte das Thema seiner Präsidentschaft werden. Die Zeit blieb ihm nicht.

Ansonsten aber hielt sich Wulff zurück, auch in der Euro-Krise wurde er kaum wahrgenommen. Die ihm persönlich besonders wichtige Rede vor Wirtschaftsnobelpreisträgern in Lindau verpuffte. Lediglich Sätze, die zu seinem persönlichen Umgang mit Geld und Krediten zu passen schienen, wurden zuletzt zitiert.

Rückschläge war Wulff schon zu Beginn seiner Karriere gewöhnt. Erst nach zwei missglückten Anläufen wurde er 2003 Ministerpräsident in Niedersachsen und stand an der Spitze einer schwarz-gelben Koalition. Ambitionen als Kronprinz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stritt Wulff immer ab. „Mir fehlt der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles unterzuordnen“, sagte er einmal.

„Ich habe nie auf jemanden gewartet, der mein Leben in die Hand nimmt oder es mir abnimmt.“

Bettina Wulff

Der Katholik aus Osnabrück gab sich bescheiden. Aber niemand zweifelte daran, dass er hinter den Kulissen gekonnt die Strippen ziehen konnte. Seine Herkunft aus kleinen Verhältnissen und einer schwierigen Familie hat ihn geprägt, hieß es – und vielleicht auch den Hang zu großzügigen Freunden wie dem Unternehmer Carsten Maschmeyer oder dem Filmproduzenten David Groenewold begünstigt.

Das Image des Langweilers, das ihm zu Oppositionszeiten anhaftete, konnte Wulff als Regierungschef in Hannover und als Präsident in Berlin ein wenig abstreifen – auch dank seiner zweiten Frau Bettina: Jung, unkonventionell, tätowiert – die Blondine verstand es, „bella figura“ zu machen und modern zu wirken.

„Ihr müsst Euch daran gewöhnen, dass Ihr einen jungen Bundespräsidenten habt“, kokettierte der 52-Jährige mit der Tatsache, dass er und seine Frau (38) mit Abstand das jüngste Präsidenten-Ehepaar waren, das die Bundesrepublik je hatte. Die Kinder Annalena (18, aus der ersten Ehe von Christian Wulff), Leander (8, aus einer früheren Beziehung Bettina Wulffs) sowie der gemeinsame Sohn Linus Florian (3) waren wichtiger Teil des Lebens auch als Staatsoberhaupt: Die Wulffs waren eine Patchwork-Familie mit Spielecke im Schloss Bellevue.

In einem Interview sagte Bettina Wulff einmal: „Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich mein Leben selbst gestalte, und so mache ich das bis heute. Ich habe nie auf jemanden gewartet, der mein Leben in die Hand nimmt oder es mir abnimmt.“ Nun verlässt das Ehepaar Wulff Schloss Bellevue. Zwischen der Wahl zum Bundespräsidenten und dem Rücktritt liegen 598 Tage.

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