Christian Lindner zieht in einem Buch Lehren aus dem FDP-Desaster 2013.

Buchvorstellung mit FDP-Chef Christian Lindner
FDP-Chef Christian Lindner stellte in Berlin sein Buch "Schattenjahre. Die Rückkehr des politischen Liberalismus" vor.

FDP-Chef Christian Lindner stellte in Berlin sein Buch "Schattenjahre. Die Rückkehr des politischen Liberalismus" vor.

Wolfgang Kumm

FDP-Chef Christian Lindner stellte in Berlin sein Buch "Schattenjahre. Die Rückkehr des politischen Liberalismus" vor.

Berlin. Christian Lindner (38) hat mitten in den Sondierungsgesprächen am Donnerstag eine Biografie vorgestellt. „Schattenjahre“ heißt das Werk, und es schildert den Fall und Wiederaufstieg seiner Partei. Vom Ausscheiden aus dem Bundestag am 22. September 2013 bis zur Rückkehr vier Jahre später. Diese Zeit ist tatsächlich Lindners Werk; er hat den Partei-Vorsitz noch am Abend des Desasters vor vier Jahren übernommen. Das Buchcover ziert ein typisches Lindner-Foto, wie man es aus dem Wahlkampf kennt: Schwarz-Weiß, eine beliebige Straßenszene. Der Autor blickt mit Dreitagebart nachdenklich in eine undefinierte Ferne.

Der Band trägt teilweise Züge eines Tagebuches, dann wieder wird es sehr theoretisch. Nur die Schlüssellochperspektive fehlt. Dabei hätte Linder viel erzählen können über sein Zerwürfnis mit dem früheren FDP-Chef Philipp Rösler, weswegen er im Dezember 2011 das Amt des Generalsekretärs hinwarf. Oder über die Ablösung Guido Westerwelles als Vorsitzender. Doch über all das erfährt man wenig Neues. Dafür aber umso mehr darüber, was Lindner aus dem Desaster von 2013 gelernt hat. Und weil der nun womöglich Vizekanzler wird, hat das Bedeutung.

Zu den Hauptfehlern zählt er die mangelnde Unabhängigkeit der Liberalen gegenüber der Union. Mit der verzweifelten Zweitstimmenkampagne im Herbst 2013 habe man „sich selbst kleingemacht“, schreibt er. Zweitens sei man in der schwarz-gelben Koalition „zu wenig konsequent liberal“ aufgetreten. Man war etwa zufrieden damit, dass aus der geforderten großen Steuerreform nur die Formulierung wurde, Entlastungen der Bürger zu „prüfen“. Ein Jahr später sagte Angela Merkel eine solche Reform dann endgültig ab. Lindners Erkenntnis: Man hätte damals den Koalitionsvertrag neu verhandeln oder die Koalition verlassen müssen. „Wenn die Grenze der Glaubwürdigkeit überschritten wird, ist es besser, von Bord zu gehen“.

Lindner wird sich nicht billig verkaufen. In jedem Fall will er einen detaillierten Koalitionsvertrag, der alle Partner verpflichtet. „Ein Prüfauftrag bedeutet doch nur: Aus dem Auge, aus dem Sinn“.

Ob sein nächstes Buch „Lichtjahre“ heißen werde, wurde Lindner ironisch gefragt. In Anspielung darauf, dass er jetzt der alleinige Star der FDP ist. „Nur kein Spott“, lautete die Antwort. „Politik ist wie Ebbe und Flut“.

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