In sehr viel jüngeren Jahren: Heiner Geissler (l.) und Edmund Stoiber 1979 in München. Foto: Hartmut Reeh
In sehr viel jüngeren Jahren: Heiner Geissler (l.) und Edmund Stoiber 1979 in München. Foto: Hartmut Reeh

In sehr viel jüngeren Jahren: Heiner Geissler (l.) und Edmund Stoiber 1979 in München. Foto: Hartmut Reeh

Heiner Geißler war von 1982 bis 1985 Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit. Hier Ende 2013 in einer Fersehsendung. Foto: Karlheinz Schindler

dpa, Bild 1 von 2

In sehr viel jüngeren Jahren: Heiner Geissler (l.) und Edmund Stoiber 1979 in München. Foto: Hartmut Reeh

Berlin/Gleisweiler (dpa) - Er galt bis ins hohe Alter als einer der profiliertesten und streitbarsten Vertreter der CDU: Der frühere Bundesminister und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist tot. Das sagte sein Sohn Dominik der Deutschen Presse-Agentur.

Geißler sei am Dienstag in seinem südpfälzischen Wohnort Geisweiler im Kreise seiner Familie gestorben, teilte die CDU-Seniorenunion mit. Geißler wurde 87 Jahre alt.

Dort hatte der Sozialpolitiker, Streitschlichter, Buchautor und vielgesuchte Interviewpartner in den vergangenen Jahrzehnten gelebt. Politiker aller großen Parteien würdigten Geißler, der im Laufe der Zeit den Wandel vom scharfzüngigen CDU-Generalsekretär zum Mitglied des globalisierungskritischen Netzwerks Attac vollzogen hatte und auch die eigene Partei nicht schonte.

Die politische Karriere des promovierten Juristen und einstigen Amtsrichters hatte in Rheinland-Pfalz begonnen. Unter den Ministerpräsidenten Peter Altmeier und Helmut Kohl (beide CDU) war er von 1967 bis 1977 Sozialminister des Landes, anschließend wurde er CDU-Generalsekretär. In dieser Funktion wusste er mit mancher scharfzüngigen Äußerung zu polarisieren.

Kohl machte Geißler 1982 zum Familienminister. Der Sozialexperte arbeitete an einem neuen Image der CDU als moderne Programmpartei und führte unter anderem ein Erziehungsgeld ein. 1989 kam es wegen Differenzen über den Kurs der Partei zum Bruch zwischen Geißler und Kohl, der im Juni ebenfalls im Alter von 87 Jahren starb. Bis zuletzt äußerte sich der verheiratete Vater dreier Söhne zu aktuellen politischen Themen. Seine letzte ganz große Mission hatte Geißler, als er 2010 im Alter von 80 Jahren den Konflikt um das Bahnprojekt «Stuttgart 21» schlichtete.

Hier eine Auswahl der politischen Würdigungen:

KANZLERIN UND CDU-CHEFIN ANGELA MERKEL: «Heiner Geißler war einer der markantesten Köpfe unserer Partei: Intellektuell herausragend, rhetorisch brillant, streitbar und selbstbewusst. Auch die eigenen Reihen, die eigene Partei schonte er nicht mit offenen Worten, wenn er dies für nötig hielt - beispielsweise bei der Durchsetzung der neuen Frauenpolitik der CDU. Dieses Rückgrat, diese politische Unabhängigkeit bewahrte er sich stets.»

BUNDESPRÄSIDENT FRANK-WALTER STEINMEIER: «Er war mit einer Leidenschaft Politiker und mit einer Hingabe Mitgestalter unseres Gemeinwesens, die selten zu finden waren und sind (...) Dass er im demokratischen Streit gelegentlich seine polemische Begabung einzusetzen wusste, hat ihm Ärger eingebracht, aber letztlich oft zur Klärung politischer Fragen beigetragen.»

BAYERNS MINISTERPRÄSIDENT HORST SEEHOFER (CSU): «Mit Heiner Geißler verliert die deutsche Politik einen klugen, streitbaren Kopf, der keine Kontroverse scheute und den Debatten wichtige neue Impulse gab (...) Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik meldete er sich immer wieder meinungsstark zu Wort und erwarb sich auch als Schlichter in Tarifkonflikten und bei Stuttgart21 große Verdienste.»

MINISTERPRÄSIDENTIN VON RHEINLAND-PFALZ, MALU DREYER (SPD): Geißler sei ein «prägender Akteur der deutschen Politik» gewesen. «Mit viel Herzblut und großem Engagement hat er sich für die Menschen in unserem Land eingesetzt. (...) Unter seiner Leitung entstand das erste Kindergartengesetz, er gründete Sozialstationen und führte das erste Sportförderungsgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Rheinland-Pfalz ein.»

CDU-VORSITZENDE VON RHEINLAND-PFALZ, Julia Klöckner: «Über Parteigrenzen hinweg wurde Heiner Geißler als kluger und streitbarer Kopf und auch Querdenker geachtet - dabei hatte er stets die Schwachen und Minderheiten im Blick. (...) Die Menschen werden seine offene, suchende und auch direkte Art vermissen.»

GRÜNEN-SPITZENKANDIDATEN KATRIN GÖRING-ECKARDT UND CEM ÖZDEMIR: «Mit Heiner Geißler verlieren wir einen echten Freigeist, der zu seiner politischen Haltung immer auch gegen Widerstände stand. Er war ein kluger Demokrat, der die Politik über Jahrzehnte geprägt hat. Wir Grüne hatten es nicht immer leicht mit ihm, seine scharfe Kritik an der Friedensbewegung ist uns noch in Erinnerung. Doch mit dem Alter wurde Heiner Geißler versöhnlicher.»

LINKE-POLITIKER OSKAR LAFONTAINE: «Mit Heiner Geißler starb einer der profiliertesten Politiker der deutschen Nachkriegszeit. Er fühlte sich zeit seines Lebens der christlichen Soziallehre verpflichtet. Wie kaum ein anderer kritisierte er die Fehlentwicklungen des globalen Kapitalismus. Er wird uns fehlen.»

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