Wie lange noch, Angela? Ab Montag geht es in Köln für die CDU nicht nur um Inhalte – viele werden der Vorsitzenden genau zuhören.

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Nicht die Frage ob, sondern in mit wie vielen Stimmen Angela Merkel beim Parteitag in Köln als CDU-Chefin wiedergewählt wird, treibt die Partei um. Für die 100 Prozent von Altkanzler Adenauer wird es wohl nicht reichen.

Nicht die Frage ob, sondern in mit wie vielen Stimmen Angela Merkel beim Parteitag in Köln als CDU-Chefin wiedergewählt wird, treibt die Partei um. Für die 100 Prozent von Altkanzler Adenauer wird es wohl nicht reichen.

dpa

Nicht die Frage ob, sondern in mit wie vielen Stimmen Angela Merkel beim Parteitag in Köln als CDU-Chefin wiedergewählt wird, treibt die Partei um. Für die 100 Prozent von Altkanzler Adenauer wird es wohl nicht reichen.

Köln. Manche Konflikte wirken wie ein Ventil, das geöffnet wird, um der Union etwas Lebendigkeit einzuflößen. So wie die Auseinandersetzungen um den Zeitpunkt des Abbaus der Kalten Progression oder um die Besetzung des siebenköpfigen Präsidiums der CDU, für das es einen Bewerber mehr als Plätze gibt.

Wenn die Union Montagabend in der Stadt Konrad Adenauers, in Köln, zu ihrem 27. Bundesparteitag zusammenkommt, dann liegt den Delegierten ein vergleichsweise dünnes Antragsbuch vor. Das wundert nicht. Die CDU regiert, sie ist mit sich zufrieden, der politische Streit ist beherrschbar. Die wirklich wichtige Frage, die daher über dem Parteitag schweben könnte, ist: Wie lange noch, Angela?

Rund 90 Minuten sind für ihre Rede veranschlagt

Zum achten Mal wird sich Angela Merkel morgen von ihrer CDU zur Vorsitzenden küren lassen. Seit 2000, seit der Spendenaffäre führt sie die Union. Wie viel Motivation steckt noch in ihr? Oder leidet sie auch im Parteiamt längst unter „Amtsmüdigkeit und Ideenlosigkeit“, wie ihr die Opposition im Bundestag immer häufiger attestiert? Rund 90 Minuten sind für ihre Rede veranschlagt, inklusive Aussprache. Das ist nicht viel. Weil sie in der Union von „Standortbestimmung“ sprechen, ist eher Hausmannskost denn ein Weckruf zu erwarten. Und umso intensiver werden alle hinhören, ob Merkel andeuten wird, wie sie ihre eigene, politische Zukunft sieht.

Angela Merkel wird gebraucht. Das sagen die, die bis zur nächsten Bundestagswahl 2017 Landtagswahlkämpfe zu bestehen haben. 2016 zum Beispiel in Rheinland-Pfalz oder in Baden-Württemberg. Die Wahlkämpfer dort wollen von Merkels Glanz und Zuspruch profitieren, sie hat die CDU zurück zu alter Stärke geführt. Da ist sie ein Segen für die Partei.

Oder hat sich die CDU zu sehr von Merkel abhängig gemacht?

Es gibt aber auch jene, die um den Fluch wissen; die sich Gedanken darüber machen, ob sich die CDU nach 14 Jahren nicht zu sehr abhängig gemacht hat von der 60-Jährigen aus der Uckermark. Ein Kanzlerinnen-Wahlverein mitten in der Mitte, ohne Konturen, dessen Talente man inzwischen an einer Hand abzählen kann.

Nur noch vier Ministerpräsidenten stellt die CDU: Stanislaw Tillich in Sachsen und Rainer Hasselhof in Sachsen-Anhalt kennt kaum einer, Volker Bouffier in Hessen gilt als politisches Auslaufmodell, über Annegret Kramp-Karrenbauer aus dem kleinen Saarland wird gerne spekuliert, dass sie Merkel mal beerben könnte. Soweit ist es gekommen.

Die Partei ächzt auch unter der Dominanz der Vorsitzenden, zugegeben wird das nur hinter vorgehaltener Hand. „Die Zeit nach ihr“, sagt einer, „wird hart werden“. Ein ernstzunehmender Nachfolger ist nicht in Sicht – Ursula von der Leyen jedenfalls ist in der Partei umstritten.

Merkel verteilt ihre Gunst lieber breit, um sich abzusichern. Ob als Kanzlerin oder Parteivorsitzende – amtsmüde ist sie augenscheinlich nicht. Das registrieren auch die Nachdenklichen. Alle paar Monate kolportiert zwar irgendwer, er wisse ganz genau, wann sie freiwillig gehen werde. Dass sie tatsächlich darüber mit jemandem gesprochen hat, außer vielleicht mit ihrem Mann Joachim Sauer, glaubt niemand. Ein erfahrener Minister sagt: Es könne ja sein, dass sie von einem Ausstieg träumt, „aber sie findet keinen Weg raus“.

Sollte Merkel 2017 nicht wieder selbst ins Rennen um das Kanzleramt gehen, müsste sie ihrer Partei Gelegenheit geben, einen neuen Spitzenkandidaten zu finden. 2016 wäre dafür das entscheidende Jahr, zumal da der nächste Wahlparteitag stattfindet. Aber vielleicht will Merkel auch einfach nur weitermachen. Alles ist möglich. Fluch und Segen. Sicher ist nur eins: In Köln werden viele genau auf die Zwischentöne achten.

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