Nach Aufmerksamkeits-Punkten war Martin Schulz klarer Sieger des Abends: Er produzierte mit seiner Ansage, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beenden zu wollen, die einzige Aussage, die es noch während der Sendung in die Nachrichten schaffte.

Das TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) vor der Bundestagswahl 2017.
Das TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) vor der Bundestagswahl 2017.

Das TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) vor der Bundestagswahl 2017.

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Das TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) vor der Bundestagswahl 2017.

Vor dem TV-Duell fragten sich auch Sozialdemokraten, was Martin Schulz bei der direkten Konfrontation – die er so Monaten inhaltlich einforderte – eigentlich würde gewinnen können. Alle bisherigen TV-Duelle hat Angela Merkel zwar nicht gewonnen. Aber ihre sozialdemokratischen Herausforderer haben sie verloren. Das Dilemma: Die Deutschen mögen es nicht, wenn die Bundeskanzlerin zu hart angegriffen wird. Kann aber Angela Merkel außerhalb einer wirklich freien Diskussion ihre Positionen darlegen (am besten ist sie im Dialog ohne Dritte), dann gewinnt sie schnell an Sympathie. An diesen Voraussetzungen sind die Sozialdemokraten Steinmeier und Steinbrück gescheitert.

Und das sollte ausgerechnet Martin Schulz, den selbst in seiner Partei nicht alle für schlauer als Steinmeier und -brück halten gelingen? Ja. Genau so war es. Martin Schulz war pointiert, ohne Angela Merkel persönlich anzugreifen. Im Gegenteil: Auf dem Höhepunkt der Debatte lobte Schulz die Bundeskanzlerin sogar für Ihre Position zur Altersrente; das Lob war erkennbar so vergiftet, das Angela Merkel kurz die Gesichtszüge entglitten. Das passierte ihr nicht nur einmal während der 90-minütigen Debatte, die ausschließlich nach ihren Regeln stattfand. Nach Aufmerksamkeits-Punkten war Martin Schulz klarer Sieger des Abends: Er produzierte mit seiner Ansage, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beenden zu wollen, die einzige Aussage, die es noch während der Sendung in die Nachrichten schaffte.

Ulli Tückmantel, Kommentarfoto richtig

Die Frage ist, was Martin Schulz dieser Sieg nutzt. Ein Fernsehduell zu gewinnen ist etwas völlig anderes, als am Ende eine Wahl zu gewinnen. Nun werden nach dem Duell nicht in Masse Merkel-Anhänger in das Lager von Martin Schulz wechseln. Aber die vielen Unentschlossenen, so sie denn vor dem Fernseher saßen, haben am Sonntagabend von Martin Schulz möglicherweise einen neuen Eindruck gewinnen können. Niemand weiß, was ein gewonnenes TV-Duell drei Wochen später in Stimmen bedeutet. Aber am Sonntagabend blitzte nach vielen bitteren Monaten für Schulz wieder das Bild des Kämpfers durch, der es wirklich schaffen will. Das ist kein Wettschein auf den Sieg. Aber wer die SPD schon unter 20 Prozent sinken sah, wird sich nach dem sonntäglichen Abend zumindest noch eine Weile gedulden müssen.

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