Der Streit um die Tankstellen wird schärfer. Können Discounter den Wettbewerb erhöhen?

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Der Preis des aus den Zapfpistolen strömenden Benzins wird immer höher – vor allem wegen der Steuern.

Der Preis des aus den Zapfpistolen strömenden Benzins wird immer höher – vor allem wegen der Steuern.

dpa

Der Preis des aus den Zapfpistolen strömenden Benzins wird immer höher – vor allem wegen der Steuern.

Hamburg. Der Preis für ein Barrel Rohöl nähert sich der 100-Dollar-Marke, und der Liter Benzin kostet 1,50 Euro – so viel wie seit dem Rekordsommer 2008 nicht mehr. Nicht nur Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) klagt über die „Achterbahnfahrt“ der Benzinpreise. Schön wäre es, sagt Brüderle nun, wenn mehr Unternehmen ins Tankstellengeschäft einsteigen und damit den Wettbewerb befördern würden – beispielsweise Discounter. Dann könnten die Preise sinken.

Benzinverkauf ist in Deutschland kein lohnendes Geschäft

Doch das ist eher unwahrscheinlich. Auch wenn der gebeutelte Autofahrer es angesichts des hohen Preisniveaus und der Milliardengewinne der Ölkonzerne kaum glaubt: Mit dem Verkauf von Benzin lassen sich in Deutschland keine großen Gewinne erzielen.

„Die Margen sind relativ niedrig; das sagen nicht nur die Großkonzerne, sondern auch die kleinen und mittleren Anbieter“, sagt Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID. Mit mehr als 14.400 Stationen verfüge Deutschland zwar nach wie vor über ein gut ausgebautes Tankstellennetz. Doch die verkauften Benzinmengen schrumpfen von Jahr zu Jahr. Tankstellen verdienten ihr Geld überwiegend mit Getränken, Süßigkeiten, Zeitschriften und Zigaretten sowie den Waschanlagen.

Nach einem Bericht des Kartellamtes von 2009 wird der Markt beherrscht von fünf Ölfirmen: BP (Aral), Shell, ExxonMobil (Esso), Total und ConocoPhilips (Jet). Als Tochterfirmen internationaler Ölmultis sind sie Konkurrenten, kooperieren aber auch in einigen Segmenten, etwa bei Tanklagerung, Raffinerien, Pipelines und Logistik.

Schon jetzt mischen regionale Konkurrenten beim Benzinpreis mit

Das Kartellamt betrachtet diese Zusammenarbeit mit Argwohn. Aus wirtschaftlichem Blickwinkel ist sie eher vernünftig. Indem die Konzerne einen Teil der teuren Infrastruktur gemeinsam nutzen, sparen sie Kosten. Würden diese Strukturen zerschlagen, wie es Kritiker immer wieder fordern, könnte es für den Verbraucher eher noch teurer werden.

Dennoch gibt es heftige Konkurrenz, zumal die großen Fünf nicht allein am Markt sind. Regionale Konkurrenten wie die polnische Orlén (Star) oder die österreichische OMV mischen ebenso kräftig mit auf dem Markt wie Mittelständler und manche Verbrauchermärkte. Weitere Anbieter, wie sie Brüderle jetzt fordert, würden den Wettbewerb kaum verschärfen. Denn die Preisdifferenzen zwischen Deutschland und anderen EU-Ländern sind vor allem durch unterschiedliche Steuersätze zu erklären. Ohne Steuern liegen die Preise in Deutschland seit vielen Jahren im unteren Drittel der EU, derzeit auf Platz 19 von 27.

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