Gast-Autor Michael Seemann begründet die tiefen Gräben zwischen den national bezogenen besorgten Bürgern und der Restgesellschaft mit einem kulturellen Ungleichgewicht. Eine Analyse.

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Auf der ganzen Welt zu Hause und deshalb vermeintlich kulturell überlegen? Entzünden sich daran die tiefen gesellschaftlichen Gräben?

Auf der ganzen Welt zu Hause und deshalb vermeintlich kulturell überlegen? Entzünden sich daran die tiefen gesellschaftlichen Gräben?

Michael Seemann

Nasa, Bild 1 von 2

Auf der ganzen Welt zu Hause und deshalb vermeintlich kulturell überlegen? Entzünden sich daran die tiefen gesellschaftlichen Gräben?

Berlin. Die westliche Welt ist in heller Aufregung. Von überall her sprießen neue rechte Bewegungen aus dem Boden oder gewinnen an Fahrt. Von Trump, über AfD, FPÖ, Le Pen bis zu Brexit scheinen sie Leuten eine Stimme zu geben, die vorher glaubten, nicht zu Wort gekommen zu sein. Seitdem wird abseits der „besorgten Bürger” gerätselt, was die Ursachen für diesen Unmut sein könnte.

Es ist vielleicht kein Zufall, dass gerade „die Linke“ hier einen gespenstischen Wiedergänger ihrer Selbst gefunden haben zu glaubt. Und so sind auch die interpretatorischen Vereinnahmungsversuche nicht weit. Das seien alles Globalisierungsverlierer, vom kapitalistischen System abgehängte, die hier ihre politische Stimme finden. Die rüsten für den Klassenkampf, aber haben aufgrund „falschen Bewusstseins” nur noch nicht realisiert, dass ihr eigentlicher Feind der Kapitalist ist.

  Ein merkwürdiger Klassenkampf: Arbeiter und Bürger Seit an Seit


Die Zahlen geben das allerdings nicht her. Zwar ist es richtig, dass sich das Heer der Frustrierten zu einem Gutteil aus geringverdienenden und wenig gebildeten Dienstleistungsarbeiter/ innen speist.

Aber da ist ist noch eine zweite, fast genau so große Gruppe. Das mittlere Bürgertum ist ebenfalls gut vertreten auf den Barrikaden. Heinz Bude spricht schon von einer strategischen Allianz aus Arbeiterschaft und frustriertem Bürgertum. Doch während sich die Motivlagen der prekär Beschäftigten marxistisch deuten lassen, passen die Wutbürger nicht so recht ins Bild.

Michael Seemann wurde 1977 geboren, studierte Angewandte Kulturwissenschaft in Lüneburg. Er gründete twitkrit.de und die Twitterlesung, organisierte Veranstaltungen und betreibt den Podcast wir.muessenreden.de. In seinem Blog „CTRL-Verlust“ scheibt er über den Verlust der Kontrolle über die Daten im Internet. Seemann schreibt unregelmäßig für Medien wie Rolling Stone, Zeit online, SPEX, Spiegel Online, c’t und das DU Magazin.

Diesen Text hat Seemann zuerst auf seinem Blog „mspr0“ veröffentlicht. Er erscheint bei uns mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Ist das nicht ein merkwürdiger Klassenkampf, in der Arbeiter und Bürger Seit an Seit gemeinsam kämpfen?

Der blinde Fleck, der uns befällt, wenn wir darauf schauen wollen, was diese Leute aufregt, ist deswegen wirksam, weil wir selbst Stein des Anstoßes sind. Verlegen schauen wir uns um, aber da ist niemand. Uns? Sie meinen tatsächlich uns?

Ja, das tun sie. . . . 

 

Den Beitrag in voller Länge können Sie im Blog (mspro) von Michael Seemann lesen: 

http://mspr0.de/?p=4696

 

 

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