Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Angehörigen der Neonazi-Morde eine umfassende Aufklärung zugesichert. Zugleich entschuldigte sie sich dafür, dass die Ermittlungsbehörden zunächst die Opfer verdächtigten. Lesen Sie hier die Rede der Kanzlerin im Wortlaut.

Gedenkveranstaltung
Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt: «Ich bitte Sie um Verzeihung». Sie verspricht eine umfassende Aufklärung der beispiellosen Verbrechen. Foto: Hannibal

Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt: «Ich bitte Sie um Verzeihung». Sie verspricht eine umfassende Aufklärung der beispiellosen Verbrechen. Foto: Hannibal

dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt: «Ich bitte Sie um Verzeihung». Sie verspricht eine umfassende Aufklärung der beispiellosen Verbrechen. Foto: Hannibal

Berlin. "Sehr geehrter Herr Bundesratspräsident, sehr geehrter Herr Bundestagspräsident, sehr geehrter Herr Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Exzellenzen, sehr geehrte Damen und Herren, ganz besonders aber: liebe Familien, die Sie einen Angehörigen verloren haben oder selbst einen Anschlag erleben mussten. Ich danke Ihnen, dass Sie heute zu dieser Gedenkveranstaltung gekommen sind. Auf dem Podest links neben mir brennen Kerzen. Es sind Kerzen für Menschen. Für Menschen, deren Leben ausgelöscht wurde, ausgelöscht durch kaltblütigen Mord.

Enver Simsek. Er wurde 38 Jahre alt und hatte sich, seiner Frau und seinen beiden Kindern in Nürnberg den Traum vom eigenen Blumenhandel erfüllt.

Abdurrahim Özüdogru. Er half häufiger in einer Änderungsschneiderei in Nürnberg aus. Dort trafen ihn die tödlichen Schüsse. Er wurde 49 Jahre alt und hinterlässt eine Tochter.

Süleyman Tasköprü. Er betrieb in Hamburg einen Gemüsemarkt. Als er im Alter von 31 Jahren starb, war seine Tochter gerade einmal drei Jahre alt.

Habil Kiliç. Wenige Monate vor seinem gewaltsamen Tod im Alter von 38 Jahren hatte er in München zusammen mit seiner Frau ein Lebensmittelgeschäft eröffnet. Die beiden haben eine Tochter.

Mehmet Turgut. Der 25-Jährige war gerade aus Anatolien nach Rostock gekommen. Hoffnungen und Träume begleiteten ihn. Er hatte keine Chance, sie zu verwirklichen.

Ismail Yasar. Vor allem die Schulkinder der Nürnberger Nachbarschaft kamen häufig und gerne zum Imbiss des Familienvaters. Er wurde 50 Jahre alt und hinterlässt drei Kinder.

Theodoros Boulgarides. Der 41-jährige Vater von zwei Kindern lebte in München und glaubte als Geschäftsmann an seine Zukunft in Deutschland.

Mehmet Kubasik. Er war mit seiner Frau nach Deutschland gekommen, hatte mit ihr in Dortmund einen Kiosk eröffnet und sich so eine Existenz aufgebaut - für seine Tochter und die beiden jüngeren Söhne. Er wurde 39 Jahre alt.

Halit Yozgat. Der 21-Jährige betrieb in seiner Heimatstadt Kassel ein Internetcafé - bis die Mörder sein junges Leben auslöschten.