Laut Studie steigt ihre Zahl an. Grund sei auch ein finanzielles Interesse von Kliniken.

Operation
Kann man als Versicherter darauf vertrauen, dass man aus gutem Grund in die Narkose versetzt und operiert wird? Die Krankenkassen meinen: nein. Kliniken zielten oft mehr auf Umsatz ab als auf Hilfe. Foto: Friso Gentsch/Archiv

Kann man als Versicherter darauf vertrauen, dass man aus gutem Grund in die Narkose versetzt und operiert wird? Die Krankenkassen meinen: nein. Kliniken zielten oft mehr auf Umsatz ab als auf Hilfe. Foto: Friso Gentsch/Archiv

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Kann man als Versicherter darauf vertrauen, dass man aus gutem Grund in die Narkose versetzt und operiert wird? Die Krankenkassen meinen: nein. Kliniken zielten oft mehr auf Umsatz ab als auf Hilfe. Foto: Friso Gentsch/Archiv

Berlin/Essen. Medizinprofessor Fritz Uwe Niethard zeigt sich besorgt. „Innerhalb von fünf Jahren gab es bei den Wirbelsäulenoperationen einen Anstieg von 90 Prozent.“ Niethard meint: Viele Rückenpatienten kommen unters Messer obwohl ihnen mit einer Physiotherapie erst einmal besser geholfen wäre.

Doch in Kliniken stehen die Weichen aus ökonomischem Kalkül in der Regel voll auf Operation. Laut den Krankenkassen können Kranke auch bei anderen schweren Eingriffen nicht darauf vertrauen, dass für die Ärzte der medizinische Nutzen im Vordergrund steht. Nun schlagen sie Alarm.

Die Zahl der Operationen stieg binnen vier Jahren um 13 Prozent

Der Kassen-Spitzenverband hat vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen untersuchen lassen, wie oft die Menschen in Deutschland in den OP kommen. Ergebnis: Zwischen 2006 und 2010 gab es einen Anstieg von 13 Prozent bei den Behandlungen, wobei die schweren Fälle bei der Berechnung stärker gewichtet wurden als die einfachen Fälle.

Nur 40 Prozent dieses Anstiegs seien aber durch die Alterung der Gesellschaft zu erklären, sagte Studienautor Boris Augurzky, RWI-Gesundheitsexperte. Bei den orthopädischen Behandlungen insgesamt – vor allem den schwereren – gab es binnen vier Jahren einen Anstieg von 14 Prozent, bei den kardiologischen Fällen von 17 Prozent.

Kassen-Experte: Aufpassen, dass man nicht unters Messer kommt

Augurzky meint: Auch der technische Fortschritt in den Kliniken könne kaum der Grund für die immer zahlreicheren Operationen sein. Der Ökonom meint: Die Steigerung ist teils „angebots-induziert“ – auf Deutsch: Viele Kranke werden nur deshalb in Narkose versetzt und operiert, weil die Kliniken dies aus Umsatzgründen gerne machen wollen. Der Krankenhaus-Experte des Kassenverbands, Wulf-Dietrich Leber, findet drastischere Worte: „Man muss immer mehr aufpassen, dass man nicht unters Messer kommt.“

Krankenhausgesellschaft weist Vorwürfe als „diffamierend“ zurück

Bei länger im Voraus geplanten Operationen sollten Patienten immer kritisch nachfragen, warum ihr Arzt den Eingriff für nötig hält. „Fragen Sie, welche Alternativen es zu der Operation gibt und welche Risiken bestehen“, sagte Kai Vogel, Gesundheitsexperte von der Verbraucherzentrale NRW. Wenn die Antwort des Arztes den Patienten nicht zufriedenstelle und er sich unsicher sei, ob der Eingriff wirklich sinnvoll ist, könne er „Nein“ dazu sagen. „Man sollte sich als Patient nicht unter Druck setzen lassen“, riet Vogel. Wichtig sei immer, aktiv zu werden und dem Arzt nicht nur schweigend zuzuhören. Auch die Frage danach, wie oft der geplante Eingriff misslinge, gehöre in diesen Zusammenhang.

 

 Auch die Meinung eines zweiten Arztes einzuholen, sei ein weiterer Weg, sich mehr Gewissheit über die Notwendigkeit einer Operation zu verschaffen – etwa bei Bandscheibenvorfällen oder Knieproblemen. „Die Möglichkeit sollte man in Anspruch nehmen.“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wies die Kritik des Kassenverbandes zurück. Die pauschale Verdächtigung, die Krankenhäuser würden aus nichtmedizinischen Gründen Patienten operieren, sei „diffamierend“, erklärte Verbandschef Georg Baum.

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