Mahnwache für Deniz Yücel
Teilnehmer einer Mahnwache in Hessen halten vor der Stadthalle Schilder mit der Aufschrift "#FreeDeniz" und dem Porträt des in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in den Händen.

Teilnehmer einer Mahnwache in Hessen halten vor der Stadthalle Schilder mit der Aufschrift "#FreeDeniz" und dem Porträt des in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in den Händen.

Arne Dedert

Teilnehmer einer Mahnwache in Hessen halten vor der Stadthalle Schilder mit der Aufschrift "#FreeDeniz" und dem Porträt des in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in den Händen.

Istanbul. Ein Jahr nach der Inhaftierung des «Welt»-Korrespondenten Deniz Yücel in der Türkei nehmen die Kritik an den türkischen Behörden und die Forderungen nach Konsequenzen zu. Amnesty International nannte die Inhaftierung Yücels ohne Anklage einen Verstoß gegen die Menschenrechte und verlangte mehr internationales Engagement. Die Gewerkschaft Verdi forderte, die wirtschaftlichen Beziehungen zur Türkei einzufrieren.

Die Linke nannte Yücels Inhaftierung einen Skandal und kritisierte: «Ein viel größerer Skandal ist jedoch die devote Haltung der Bundesregierung gegenüber Erdogans Krieg gegen die Freiheit und gegen die Kurden.»

Deniz Yücel
Foto: Karlheinz Schindler/dpa

Deniz Yücel, Journalist und Türkei-Korrespondent der "Welt" sitzt seit einem Jahr in der Türkei in Haft.

Die Grünen-Abgeordnete Tabea Rößner teilte mit: «Die Türkei ist kein Rechtsstaat mehr, denn in einem Rechtsstaat gibt es das Recht auf einen fairen Prozess. Die Gerichte müssten diesem rechtsverletzenden, unmenschlichen Zustand endlich ein Ende setzen.»

Verdi fordert mehr Druck aus Deutschland

Auch Verdi forderte mehr Druck aus Deutschland. "Solange die türkische Regierung Menschenrechte und die Pressefreiheit unterdrückt, müssen die wirtschaftlichen Beziehungen eingefroren werden", erklärte der Vizechef der Gewerkschaft, Frank Werneke. "Das ist die einzige Sprache, die Recep Tayyip Erdogan und seine Helfershelfer verstehen." Diplomatische Gespräche brächten seit einem Jahr "nicht den notwendigen Erfolg". "Die zu Unrecht Inhaftierten können nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag in türkischen Gefängnissen warten. Da braucht es jetzt mehr Druck", forderte der Gewerkschafter.

Autokorso für  inhaftierten Journalisten Yücel in Berlin
Foto: Kay Nietfeld

Ein Jahr nach seiner Inhaftierung in der Türkei wollen Prominente und Freunde mit einem Autokorso und einer Lesung in Berlin ihre Solidarität mit dem «Welt»-Korrespondenten Deniz Yücel bekunden.

Yücel war an diesem Mittwoch vor einem Jahr in Istanbul festgenommen worden. Kurz darauf war wegen Terrorvorwürfen Untersuchungshaft gegen ihn verhängt worden. Bis heute hat die Staatsanwaltschaft keine Anklageschrift vorgelegt.

Der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus Beeko, teilte mit: «Diese andauernde Untersuchungshaft ohne Gerichtsverfahren kommt einer Strafe ohne Verfahren gleich und ist menschenrechtswidrig.» Amnesty rief Regierungen aller Länder dazu auf, «die umgehende Freilassung Deniz Yücels und der anderen Journalisten einzufordern und die Türkei an die Einhaltung der Pressefreiheit zu erinnern». Verdi sprach im Zusammenhang mit der Inhaftierung Yücels von der «Vorgehensweise eines Unrechtsstaats».

Autokorso durch Berlin

Am Jahrestag der Inhaftierung von Deniz Yücel wollen Prominente und Freunde mit einem Autokorso und einer Lesung in Berlin ihre Solidarität mit dem «Welt»-Korrespondenten bekunden. Unter anderem werden Herbert Grönemeyer, Hanna Schygulla, Anne Will und Mark Waschke aus Yücels neuem Buch «Wir sind ja nicht zum Spaß hier» lesen, wie der Freundeskreis #FreeDeniz mitteilte.

Nach einer Statistik der türkischen Nichtregierungsorganisation P24, einer «Plattform für unabhängigen Journalismus», sitzen in der Türkei mehr als 150 Journalisten im Gefängnis. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt der EU-Beitrittskandidat Türkei auf Platz 155 von 180. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat dagegen erst im vergangenen Monat wieder erklärt, sein Land sei Vorreiter der Pressefreiheit. dpa/afp

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