Initiative von Bundespolitikern setzt sich für mehr Rücksichtnahme auf ihre Familien ein.

Initiative von Bundespolitikern setzt sich für mehr Rücksichtnahme auf ihre Familien ein.
Kristina Schröder war das erste Regierungsmitglied der Bundesrepublik, das ein Kind bekam. Damals verzichtete sie schließlich auf ihr Ministeramt.

Kristina Schröder war das erste Regierungsmitglied der Bundesrepublik, das ein Kind bekam. Damals verzichtete sie schließlich auf ihr Ministeramt.

Bekanntes Motiv: 1956 beschäftigte sich das Plakat des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum Tag der Arbeit mit der 40-Stunden-Woche, die mit dem Slogan „Samstags gehört Vati mir“ erkämpft werden sollte und wurde. (DGB)

Der Schriftzug der aktuellen, parteiübergreifenden Initiative übertragt die Parole auf ihr Anliegen. (eltern-in-der-politik.de)

dpa, Bild 1 von 3

Kristina Schröder war das erste Regierungsmitglied der Bundesrepublik, das ein Kind bekam. Damals verzichtete sie schließlich auf ihr Ministeramt.

Berlin. Anfang der Woche noch auf Staatsbesuch in Indien, am Mittwoch im Europaparlament in Straßburg, gestern bei der CDU in Wuppertal. Angela Merkel ist überall, verhandelt die Nächte durch, jettet um den Globus und schläft kaum. Politikerin eben. Familie ist für die Kanzlerin kein Thema. Amtsvorgänger Kohl verbrachte nur beim sonntäglichen Kirchgang Zeit mit seiner Familie. Politik als Berufung, die keine geregelten Arbeitszeiten kennt.

Selbstverpflichtung für den politikfreien Sonntag

Gleichzeitig betreten Politiker anderen Typus die Bühne. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) kämpft, Amt und Kind unter einen Hut zu bringen, und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will die Bundeswehr familienfreundlicher gestalten. Kristina Schröder (CDU), die 2013 noch für die kleine Tochter auf ihr Amt als Familienministerin verzichtete, ist nun treibende Kraft der Initiative „Sonntags gehören Mutti und Vati uns“, die an die Gewerkschaftsparole aus den 50er Jahren erinnert, als mit „Samstags gehört Vati mir“ für die 40-Stunden-Woche gekämpft wurde.

Nun haben sich sechs Bundestagsabgeordnete, darunter Katja Kipping (Die Linke-Vorsitzende) und Schröder, zusammengetan und ein Forderungspapier für die Arbeit des Bundestages erarbeitet, das Babys und Kleinkinder im Plenarsaal erlaubt oder nächtliche namentliche Abstimmungen verbietet. Außerdem suchen sie Mitstreiter in der Politik, die sich dazu verpflichten, für den politikfreien Sonntag, familienfreundliche Veranstaltungen oder flexible Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter einzutreten.

Kristina Schröder erklärt: „Wir wollen zu einer besseren Vereinbarkeit der Arbeitswelt Politik und Familie beitragen. Denn wir sind überzeugt, dass wir Menschen in der Politik brauchen, die nicht nur über Familienpolitik reden, sondern familiäre Verantwortung tragen.“ Zwar gehöre es zum Alltag eines Politikers, „auch Termine am Wochenende wahrzunehmen. Aber man strebe eine Kultur an, die achtsam mit den familiären und privaten Belangen politisch engagierter Menschen umgehe.

Eine kleine wöchentliche Auszeit würde Politikern guttun

Etwas mehr als 200 Mitstreiter aus der Politik, darunter über 80 Bundestagsabgeordnete, sind mittlerweile zusammengekommen. Vom Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Peter Hintze (CDU) aus Wuppertal, bis zum Stadtratsmitglied in Eschweiler, Maria Mund (CDU). „Generell ist die Resonanz auf unsere Initiative sehr gut“, freut sich Schröder.

Ratsmitglieder erhalten zwischen 192,60 Euro (bei 20 000 Einwohnern) und 524,40 Euro (bei mehr als 450 000 Einwohnern) monatlich (Entschädigungsverordnung des Landes NRW). Bundestagsabgeordnete beziehen 9082 Euro als Basis-Entschädigung im Monat plus Zuschläge (Abgeordnetengesetz Deutscher Bundestag).

Gibt es auch kritische Stimmen? Vielleicht von der Basis, die ihre Freizeit unentgeltlich oder gegen eine niedrige Entschädigung (siehe Kasten) in den Dienst an der Partei stellt? Die Kommentare bei Facebook sind gemischt. „Ich denke, Ihre Initiative trifft auf keine Begeisterung bei der Bevölkerung“, schreibt A. Buisson und meint, dass die „gesicherte finanzielle Grundlage“ der Berufspolitiker „auch eine entsprechende Kinderbetreuung für das Wochenende ermögliche“.

Und R. Vey erinnert an die anderen Jobs am Wochenende, an die hier nicht gedacht werde. A. Bröker hingegen gewinnt der Initiative Positives ab: „Ich denke, eine kleine wöchentliche Auszeit würde allen Politikern guttun, sie hilft Abstand zu gewinnen.“

Ex-Ministerin Schröder jedenfalls gibt sich zuversichtlich, sieht ihr Engagement im Dienst der ehrenamtlichen Politik: „Auch viele ehrenamtliche Kommunalpolitiker wünschen sich weniger Sitzungen am Sonntag und mehr Zeit für ihre Familie. Auch aus diesem Bereich erfahren wir viel Zustimmung.“

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