Vor allem Hausärzte auf dem Land finden keine Nachfolger. Verband fordert Anreize für Mediziner.

Berlin. In Deutschland fehlen derzeit rund 3600 Praxisärzte. In so vielen Fällen könnten Mediziner laut einer neuen Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) derzeit aus dem Stand neu zugelassen werden.

Die meisten unbesetzten Praxen gibt es mit 678 in Niedersachsen. In Nordrhein-Westfalen könnten 493 Ärzte aus dem Stand neu zugelassen werden, gefolgt von Sachsen-Anhalt (379), Bayern (360), Sachsen (357), Baden-Württemberg (282), Thüringen (222) und Brandenburg (211). Vor allem Hausärzte auf dem Land finden oft keine Nachfolger, während es an Fachärzten in den Ballungsräumen in der Regel nicht mangelt.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), forderten bessere Bedingungen und Anreize für Mediziner. Der KBV-Vorsitzende Andreas Köhler sagte: "Wir müssen den drohenden Ärztemangel als gesellschaftliche Herausforderung begreifen." Zöller betonte: "Für viele ist die freie Arztwahl tatsächlich reine Theorie. Wir müssen gezielt für Anreize sorgen, damit sich Ärzte auch im ländlichen Raum niederlassen."

Vor Beginn der Verhandlungen über eine neue Gesundheitsreform machte Köhler Druck für seine Forderungen nach attraktiven Bedingungen und Änderungen der Zulassungsregeln. Ärzte- und Klinikorganisationen sollten zusammen mit den Ländern, den Krankenkassen und Patientenvertretern den Ärztebedarf in neuen Regionalverbünden planen. Der Bedarf an niedergelassenen Ärzten und Klinikärzten solle so besser aufeinander abgestimmt werden. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will die Gesundheitsreform mit einer Regierungskommission auf den Weg bringen.

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