Merkel sieht sich in der Euro-Krise Kritik aus den betroffenen Ländern ausgesetzt.

Wirtschaftsforum
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist zu einer Stippvisite in den Schweizer Kurort geeilt.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist zu einer Stippvisite in den Schweizer Kurort geeilt.

Reuters

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist zu einer Stippvisite in den Schweizer Kurort geeilt.

Davos. Was ist Deutschlands Plan in der Euro-Schuldenkrise? Was werden die Deutschen noch verlangen? Was sind sie bereit zu geben? Diese Fragen sind allgegenwärtig auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF).

Eröffnungsrednerin Angela Merkel ist zu einer Stippvisite nach Davos geeilt, absolviert den Termin zwischen lauter Krisensitzungen. Doch auch in dem Schweizer Kurort hängen alle an ihren Lippen, hoffen auf Antworten.

Davos sei in diesen Tagen „das Sanatorium für die Welt“, erklärt WEF-Gründer Klaus Schwab in Anspielung darauf, dass hier früher Tuberkulose-Patienten aus allen Teilen Europas behandelt wurden. Neue Modelle für eine Welt im Wandel sollen die 2600 Elite-Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in den fünf WEF-Tagen entwerfen.

Die Teilnehmer aus den Euro-Krisenstaaten sind gespalten

Für die Euro-Krise jedoch reicht kein Sanatorium. Die gewaltigen Staatsdefizite seien „über Jahre entstanden, sie werden sich deshalb nicht mit einem Paukenschlag beenden lassen“, betont Merkel.

Die Krisen-Bekämpfung dauere nun einmal länger als zwölf oder 18 Monate. „Aber wir können doch jetzt nicht auf halbem Weg umkehren und sagen: ,Das bringt doch alles nichts’.“

Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger (68) hat nach einer Debatte um seine politische Ausrichtung seine Teilnahme an einer Veranstaltung in Davos abgesagt. „Ich habe das Gefühl, als politischer Fußball benutzt zu werden, und es gab viele falsche Kommentare über meine politische Einstellung“, erklärte Jagger.

Jagger hatte zusammen mit dem Model Lily Cole, dem Erfinder des Internets, Tim Berners-Lee, dem Londoner Bürgermeister Boris Johnson und anderen an einem „Nachmittagstee“ von Premierminister David Cameron teilnehmen sollen.

Kommt in Davos die Rede auf Deutschland, sind gerade die Teilnehmer aus Euro-Krisenstaaten gespalten. Einerseits wird die letzte starke Wirtschaftsmacht der Eurozone als Zuchtmeister gefürchtet. Gleichzeitig ist Deutschland der fast schon letzte Hoffnungsträger.

Forderungen nach kraftvolleren und teureren deutschen Beiträgen bei der Euro-Rettung schmettert Merkel jedoch ab. Sie wolle nichts versprechen, was Deutschland gar nicht halten könne. „Denn wenn Deutschland, stellvertretend für alle europäischen Länder etwas verspricht, was bei harter Attacke der Märkte dann nicht einlösbar ist, dann hat Europa eine ganz offene Flanke.“

Die Sorge vor einer tiefen und anhaltenden Krise

Scharfe Kritik am deutschen Kurs ist in Davos oft zu hören, beispielsweise von US-Investorenlegende George Soros, der im derzeitigen Krisenland Ungarn geboren ist.

„Deutschland diktiert eine Politik, die in eine Schuldenspirale mit deflationären Folgen führt“, sagt Soros und malt das düstere Bild einer tiefen und anhaltenden Krise an die Wand. Er frage sich, wann sich die Erkenntnis durchsetze, „dass die Währungsunion auf einem selbstzerstörerischen Kurs ist“.

Eine Anpassung nach unten will Angela Merkel nicht mitmachen

Deutschland setze Euro-Krisenstaaten unerreichbare Sparziele, verweigere ihnen gleichzeitig Schutz vor den Finanzmärkten und bringe sie damit gegen sich auf. „Der Rest Europas ist nicht wie Deutschland“, sagt er. Kein Wunder, dass die Politik Merkels an der Peripherie zu Widerstand führe.

Dazu sagt Merkel, Deutschland wolle sich ja am Abbau von Ungleichgewichten in Europa beteiligen. Eine Anpassung nach unten werde man aber nicht mitmachen. Nur, wenn Europa seine wirtschaftlichen Stärken pflege, „haben wir eine Chance auf den Weltmärkten mitzuspielen“.

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