Die OECD stellt internationalen Vergleich vor.

Paris/Berlin. Die finanzielle Hilfe für Arbeitslose in Deutschland fällt im Vergleich zu anderen europäischen Staaten eher niedrig aus. Wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mitteilte, schneiden Familien mit Kindern dabei zwar besser ab, haben aber dennoch ein hohes Armutsrisiko.

Die OECD als Vertretung der Industrieländer verglich die Hilfen für Arbeitslose in 29 Mitgliedsländern einschließlich Staaten wie USA oder Japan. Deutschland liege im Gesamtvergleich bei der finanziellen Unterstützung von Arbeitslosen im Durchschnitt, sagte OECD-Experte Herwig Immervoll. Im westeuropäischen Vergleich sei Deutschland aber "eher im unteren Mittelfeld angesiedelt".

Demnach erhält ein alleinstehender Durchschnittsverdiener in Deutschland direkt nach Verlust des Arbeitsplatzes 60 Prozent seines Nettolohns. In Frankreich seien es 66 Prozent, in Portugal und Luxemburg über 80Prozent.

Noch weiter sinkt Deutschland in der Studie bei alleinstehenden Geringverdienern ab. Hier liege der deutsche Lohnersatz sogar im gesamten OECD-Vergleich nur "im unteren Drittel". Bei Langzeitarbeitslosen seien in Deutschland Singles oder kinderlose Paare "im internationalen Vergleich schlechter gestellt als Alleinerziehende oder Familien mit Kindern". So erhalte ein alleinstehender Durchschnittsverdiener nach fünf Jahren Arbeitslosigkeit 36Prozent seiner früheren Netto-Bezüge. Deutschland stehe damit auf Platz 14 unter den 29 OECD-Ländern. "Vergleichsweise gut" sei die Absicherung bei Paaren, wenn der andere Partner noch arbeite. Grund sei, dass der Verdienst des Partners nicht auf das ArbeitslosengeldI angerechnet werde.

Kritik an zu geringen Anreizen, einen Job anzunehmen

Die OECD kritisierte zu geringe Anreize für Hartz-IV-Empfänger, einen Job anzunehmen. Auch für Haushalte mit Kindern biete das deutsche System derweil "nur wenig finanzielle Anreize", eine gering bezahlte Beschäftigung aufzunehmen. Trotz der Hartz-Reformen sei dies auch bei Langszeitarbeitslosen "auffällig". Denn Menschen müssten bei Annahme einer Beschäftigung brutto relativ viel dazu verdienen, um netto mehr ausbezahlt zu bekommen. Grund sei die in Deutschland sehr hohe Abgaben- und Steuerbelastung bei Geringverdienern, sagte Immervoll. Damit werde ein Zuverdienst "relativ uninteressant", weshalb "relativ viele Leute in Hartz IV" blieben. "Mini- und Midi-Jobs greifen hier nicht, weil das schon von Hartz-IV erfasst wird", erläuterte Immervoll. Diese Stellen für Geringverdiener kämen heute "vor allem gut situierten Haushalten zugute und nicht den typischerweise von Armut betroffenen Haushalten".

Die OECD schlägt vor, die Zuverdienstmöglichkeiten auszuweiten, damit es sich auch für Hartz-IV-Empfänger lohnt, diese anzunehmen. Auch indirekt könnten Anreize zur Aufnahme einer Arbeit geschaffen werden, etwa über eine bessere Kinderbetreuung. AFP

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