USA-Russland: Hillary Clinton überrascht ihren Kollegen Lawrow mit einem missglückten Geschenk.

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Drücken gemeinsam den Neustart-Knopf: US-Außenministerin Clinton (re.) und Russlands Außenminister Lawrow.

Drücken gemeinsam den Neustart-Knopf: US-Außenministerin Clinton (re.) und Russlands Außenminister Lawrow.

dpa

Drücken gemeinsam den Neustart-Knopf: US-Außenministerin Clinton (re.) und Russlands Außenminister Lawrow.

Genf. Versöhnliche Geste mit Übersetzungspanne: Beim ersten Treffen der neuen US-Außenministerin Hillary Clinton mit ihren russischen Amtskollegen Sergej Lawrow am späten Samstag Abend in Genf überreichte die Amerikanerin dem Russen als Zeichen ihres guten Willens einen gelben Kasten mit rotem Plastikknopf, unter dem auf englisch "Reset" ("Auf-Null-stellen"/ "Neustart") geschrieben stand.

Darüber habe man, so Clinton zu Lawrow, die russische Entsprechung für "Reset" geschrieben: "Peregruzka". Mit den Worten: "Ich habe ein Geschenk, das symbolisieren soll, was Präsident Obama und Vize-Präsident Biden gesagt haben: Wir wollen noch einmal bei Null anfangen", drückte Clinton dem überraschten Lawrow das Plastikteil in die Hand.

Der Russe schien kurz verdutzt, brach dann aber in Gelächter aus und machte Clinton auf den Übersetzungsfehler aufmerksam: Statt "Neustart" bedeutet das in lateinischen Lettern geschriebene russische Wort "Überladen". Clinton versuchte die peinliche Situation zu retten: "Erst machen wir einen Neustart, und dann gibt es für Minister Lawrow und mich Überlastung an Arbeit."

Die Panne beeinträchtigte die Atmosphäre des Treffens nicht. Lawrow meinte, es sei völlig egal, was da geschrieben stehe. "Viel wichtiger ist es, dass weder Russland, die USA noch sonst irgendein Land auf einen anderen roten Knopf drückt, den man früher mit Vernichtungskrieg verknüpfte."

Differenzen sollen künftig partnerschaftlich geklärt werden

Clinton nannte das Treffen "sehr produktiv". Sie freue sich auf die weitere Zusammenarbeit mit Russland. Man hoffe, "in einer ganzen Reihe von Themen, die für beide Länder sowie für die ganze Welt von Bedeutung sind", zusammenzuarbeiten. Auch Lawrow zeigte Optimismus: "Wir haben uns nicht bei allen Problemen geeinigt. Aber wir haben uns zugesichert, alle Fragen partnerschaftlich zu klären."

Als positiv bezeichnete Lawrow die Bereitschaft der neuen US-Regierung zu einer umfassenden Abrüstung bei den Atomwaffen. Die russische Seite schlug vor, in das Nachfolgeabkommen für den Ende 2009 auslaufenden Abrüstungsvertrag Start-I neben nuklearen Sprengköpfen auch Interkontinentalraketen und schwere Bomber aufzunehmen. Der neue US-Präsident Barack Obama hat eine Reduzierung von Atomwaffen als ein Ziel seiner Präsidentschaft ausgegeben.

Auch beim Dauerstreitthema Raketenabwehr zeigten sich beide Seiten gesprächsbereit. Wie bereits vor Jahren vorgeschlagen sollten Amerikaner, Russen und Europäer gemeinsam die mögliche Gefahr durch Raketen aus dem "Süden" ermitteln, sagte Lawrow. Obamas Vorgänger Bush hatte die Pläne für eine Raketenabwehr in Polen und Tschechien vor allem mit der angeblichen Gefahr aus dem Iran begründet. Moskau sieht dagegen in der von den USA kontrollierten Raketenabwehr eine Beeinträchtigung seiner Sicherheitsinteressen.

Bei aller zur Schau gestellten Harmonie wurden auch Differenzen deutlich. Als Clinton die Lieferung russischer Luftabwehrraketen an den Iran kritisierte, konterte Lawrow ausgesprochen kühl: Dabei handele es sich um reine Verteidigungswaffen, deren Lieferung im völligen Einklang mir dem internationalen Recht stehe.

Allerdings, so Lawrow weiter, würde es Russland begrüßen, "wenn unsere amerikanischen Partner nicht weiter Angriffswaffen an Staaten lieferten, die diese Waffen dann - wie in der Vergangenheit geschehen - gegen uns einsetzen". Der russische Außenminister spielte damit auf den georgischen Angriff auf Südossetien und die dort stationierten russischen Friedenstruppen im August 2008 an. AFP/Red

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