In teils dramatischen Abstimmungen wechseln die Delegierten in Dortmund zwei Drittel der Europa-Truppe aus.

Rebecca Harms und Reinhard Bütikofer stärken das Wir-Gefühl.
Rebecca Harms und Reinhard Bütikofer stärken das Wir-Gefühl.

Rebecca Harms und Reinhard Bütikofer stärken das Wir-Gefühl.

dpa

Rebecca Harms und Reinhard Bütikofer stärken das Wir-Gefühl.

Dortmund. Durch schwache Aussichten auf baldige Regierungsmacht lassen sich die Grünen die Stimmung nicht vermiesen. Mit teils schillerndem Personal, selbstbewusstem Ökokurs und Attacken gegen Schwarz-Gelb startet die Partei in die Europawahl. Die Wahl Anfang Juni soll der kleinsten Oppositionskraft auch für die schwierige Bundestagswahl Auftrieb geben. In teils dramatischen Abstimmungen wechselte der Dortmunder Parteitag am Wochenende bei der Listenaufstellung zu zwei Dritteln die grüne Europa-Truppe aus.

Satte Voten heimsten Ex-Parteichef Reinhard Bütikofer und die Europaabgeordnete Rebecca Harms an der Spitze ein - sie traten allerdings ohne Gegenkandidaten an. Ihre Ex-Parteichefin Angelika Beer schickten die Grünen mit bitteren Schlappen von Abstimmung zu Abstimmung ins Aus. Der politisch totgeglaubte Werner Schulz feierte ein Comeback, und auch die Hoffnungsträger Sven Giegold vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac sowie Barbara Lochbihler von Amnesty International platzierten die 700 Delegierten sicher.

Das Hauen und Stechen um die Tickets nach Straßburg für die Wahl am 7.Juni erreichte bei Platz acht den Höhepunkt. Gleich acht Männer wollten die Delegierten für sich gewinnen. Der 59-jährige Schulz schaffte es mit einem Ritt durch die deutsch-deutsche und die internationale Politik. Er rief: "Die Leute haben heute mehr Angst vor ihrem Anlageberater als vor El Kaida." Nach seiner Weigerung, Gerhard Schröder (SPD) 2005 das Vertrauen zu entziehen, galt der Ex- Neues-Forum-Reformer als politisch tot. Und die Delegierten hoben frische Jungpolitiker aufs Schild: die Brandenburger Landeschefin Ska Keller (27), die Freiburgerin Franziska Brantner (29) und Jan Philipp Albrecht aus Niedersachsen (26).

Interne Spannungen um die grüne Antwort auf die Rezession köcheln nur auf kleiner Flamme. Dafür soll das grüne "New Deal"-Projekt alles besser machen. Kaum ein Redner, der nicht im neu entdeckten Öko-Amerikanismus schwelgt.

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