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Deomonstranten blockieren die Spring Street in Atlanta.

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Deomonstranten blockieren die Spring Street in Atlanta.

Der weiße Polizist in New York nimmt den schwarzen Verdächtigen in den Schwitzkasten. Der keucht: „Ich kriege keine Luft“ – und stirbt im Krankenhaus. Keine Anklage. Der weiße Polizist in Ferguson (Missouri) tötet den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown mit mehr als zehn Schüssen. Er habe sich von dem Jugendlichen bedroht gefühlt. Keine Anklage. Ein weißer Polizist in Cleveland (Ohio) erschießt einen schwarzen 12-Jährigen, der mit einer Spielzeugpistole hantiert. Andere Polizeistellen hatten ihn früher für dienstuntauglich erklärt. Anklage fraglich.

Die Fälle ungesühnter Polizeigewalt weißer Ordnungshüter gegen schwarze Verdächtige haben in den USA eine Protestwelle ausgelöst. Doch sie sind nur der Ausschnitt eines Missstandes, den US-Präsident Barack Obama Anfang dieser Woche als „nationales Problem“ bezeichnete.

Schwarze werden in Amerika überproportional oft kontrolliert

Die Proteste kreisen darum, ob es bei der Polizei ein strukturelles Rassismusproblem gibt. US-Medien zitieren Statistiken, die zweierlei zeigen: Zum einen werden Schwarze überproportional oft kontrolliert, vor Gericht gestellt und verurteilt. Zum anderen gibt es kaum Fälle, in denen Beamte für Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden. Die unabhängige Journalismus-Institution ProPublica errechnete, dass in den USA für junge Schwarze das Risiko 21 Mal größer ist, von der Polizei erschossen zu werden als für Weiße. Basis sind 1217 Fälle zwischen 2010 und 2012. Es gab viel mehr Fälle, denn längst nicht alle der rund 17.000 Polizeistellen im Land geben diese Daten weiter.

In New York ging es nicht um Schüsse, sondern um einen Würgegriff. Doch der Fall ist vergleichbar – und löst gerade in New York Bestürzung aus. Die Stadt begreift sich als besonders liberal, es wird betont, man sei „post-racial“, Rassismus spiele keine Rolle mehr. Symbolfigur im Kampf gegen Rassismus ist auch Bürgermeister Bill de Blasio. Am Mittwoch erklärte er, die ganze Angelegenheit sei für ihn „sehr persönlich“. Er habe seinem Sohn erklärt, dass auch er wegen seiner Hautfarbe mit Einschränkungen rechnen müsse. Auch Obama nimmt das Problem persönlich. Er sei fest entschlossen, die Situation zu verbessern, erklärte er diese Woche nochmals mit festem Blick.

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