NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft stellt sich gegen diese Technik. Sie sei zu riskant und schädige die Natur.

Matthias Balk

Düsseldorf. In der Debatte um das umstrittene Gas-Fracking hat NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) vor falschen Hoffnungen gewarnt. Diese Methode, Gasvorkommen aus unkonventionellen Lagerstätten zu gewinnen, sei riskant, schädige die Natur und kommerzieller Nutzen sei angesichts hoher Umweltauflagen zweifelhaft.

Frau Kraft, die Bundesregierung plant ein Gesetz zum Gas-Fracking noch vor der Sommerpause. Wie weit ist das fortgeschritten?

Hannelore Kraft: Es liegt noch kein Gesetzesentwurf vor. Es ist aber sinnvoll, dass die Bundesregierung ein Gesetz erarbeitet, das strenge Auflagen für die unkonventionelle Gasförderung in Deutschland vorschreibt. Das muss gründlich vorbereitet werden. Für uns in Nordrhein-Westfalen steht fest: Jeglicher Einsatz von giftigen, umweltgefährdenden Chemikalien beim Fracking muss verboten sein. Es geht um den Schutz des Grundwassers und der Gesundheit – und das hat für uns absoluten Vorrang. Wir brauchen strenge Umweltverträglichkeitsprüfungen und ein Fracking-Verbot in Wasserschutzgebieten.

In anderen Ländern gibt es weniger Vorbehalte, in den USA boomt diese Technologie.

Kraft: Für mich als Ministerpräsidentin ist klar: Wir verfolgen hier eine klare Fracking-Verhinderungslinie. Wir haben eine so dichte Besiedelung, die mit den Verhältnissen in den USA oder Kanada nicht vergleichbar ist. Da wird mal eben gerodet für eine Straße und eine Pipeline, aber in Gebieten, wo kaum jemand lebt. Ich habe mir in Kanada eine Fracking-Bohrstelle angesehen. Da fahren Hunderte Lkw am Tag, es wird gebohrt, es ist laut, man muss Unmengen Sand und Wasser hinschaffen, die Pipeline hinbauen – und das wandert dann immer ein paar Kilometer weiter. Wenn ich mir das zum Beispiel für das Münsterland vorstelle, kann ich nur sagen: Das geht nicht.

Es heißt aber, man müsse sich unabhängiger machen vom russischen Erdgas.

Kraft: Der Hinweis auf drohende Gasengpässe aus Russland und auf den Ukraine-Konflikt ist ein Spiel mit der Angst, das wir nicht spielen sollten. Selbst wenn es zu einem Lieferboykott aus Russland käme, würde es noch viele Jahre brauchen, bis in Deutschland ein Ersatz aus der unkonventionellen Gas-Förderung mit Fracking da wäre.

Die Grünen kritisieren, SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel plane nun ein „Fracking-Ermöglichungsgesetz“.

Kraft: Es liegt ja noch kein Entwurf auf dem Tisch. Eine solche gesetzliche Regelung braucht die Zustimmung des Bundesrates. Und die Position der Länder ist ja hinlänglich bekannt. Ich persönlich gehe sogar noch etwas weiter. Denn ich zweifle sehr an dem kommerziellen Nutzen des Fracking angesichts der hohen Umweltauflagen. Wenn ich sehe, welche Umwelteingriffe damit verbunden sind, welche gigantischen Folgen das für die Landschaft hat, dann ist das auch ein Grund dafür, dass ich sage: Solange ich in Nordrhein-Westfalen Ministerpräsidentin bin, wird es hier kein Fracking für die unkonventionelle Erdgasförderung geben.

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