Der 13.1.1980 ist der Gründungstag der Partei. Linke und Reformer ringen auch heute miteinander.

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Rudolf Bahro auf dem Gründungsparteitag 1980. (Archiv

Rudolf Bahro auf dem Gründungsparteitag 1980. (Archiv

dpa

Rudolf Bahro auf dem Gründungsparteitag 1980. (Archiv

Berlin. 30 Jahre nach ihrer Gründung sind die Grünen in einer paradoxen Lage: Ihnen geht es gut wie lange nicht - dennoch sieht die Partei in eine ungewisse Zukunft. Im Jubiläumsjahr wollen die Grünen mit den Tugenden ihrer Anfänge den Platz im Fünf-Parteien-System behaupten.

Am 13.Januar 1980 wurden die Grünen in Karlsruhe gegründet. Untergangsszenarien überlebten sie. Sie blieben weder Projekt einer Generation noch blieb die Partei auf einzelne Führungsfiguren wie anfangs Petra Kelly oder später Joschka Fischer angewiesen. Im Gegenteil: Bei der jüngsten Bundestagswahl fuhren die Grünen mit 10,7Prozent ihr Rekordergebnis ein - auch wegen vieler junger Wähler.

Manche Grüne der ersten Stunde sind von ihrer Partei enttäuscht

Doch die einstige Anti-Parteien-Partei ist verwechselbarer geworden. Früher wurden die Fraktionssitzungen öffentlich abgehalten und machten Fundis Opposition gegen das Polit-System an sich. Die Fundamentaloppositionellen von einst gibt es heute nicht mehr. Und Bundesumweltminister Norbert Röttgen vom einstigen Lieblingsgegner CDU hört sich selbst ein bisschen an wie ein Grüner. Fraktionschefin Renate Künast ist deshalb mit Blick auf teils gemeinsame Wählermilieus alarmiert: "Da kann ich nur sagen: Aufgepasst!"

Die Grünen haben großen Teilen der Friedens- und Umweltbewegung, der außerparlamentarischen Opposition in den 80ern, eine Heimat gegeben. Heute sind viele Grüne der ersten Stunde enttäuscht von der Routiniertheit ihrer Partei, die in Kommunen, Ländern und sieben Jahre auch im Bund mitregiert hat. Parteichefin Claudia Roth sagt: "Natürlich hat sich unsere Partei verändert, nicht angepasst, aber entwickelt." Doch Roth hält den Grünen zugute: "Bei den Formen und Strukturen, wie mit Themen umgegangen wird, unterscheiden wir uns ganz massiv von den anderen." Noch immer tarieren Linke und Reformer ihre interne Macht unentwegt gegeneinander aus. Noch immer können Grundsatzdebatten auf Parteitagen heftig ausfallen. Vor allem aber setzen die Grünen heute mehr als in rot-grünen Regierungsjahren auf einen fundamentalen Ansatz.

Doch sind die Grünen überhaupt noch links oder schon ganz in der Mitte der Gesellschaft angekommen? Fraktionschef Jürgen Trittin sagt: "Es gibt keine Partei, deren Mitglieder sich so klar links definieren und die sich so klar in der Mitte der Gesellschaft bewegen, wie die Grünen." Unklar ist zum Geburtstag, was die Grünen daraus machen.

Der Parteivorstand will in einer Klausur heute und morgen in Düsseldorf beraten, wie die Grünen mit ihrem Reformkonzept für Wirtschaft und Gesellschaft unter dem Motto "Green New Deal" stärker nach vorn kommen. Die Bundestagsfraktion (68 Abgeordnete) will auf ihrer Neujahrsklausur ab Mittwoch in Weimar dann Front machen gegen die Wachstumsziele von Schwarz-Gelb. Parteichef Cem Özdemir schwört die Grünen ein, notfalls umgehend regierungsbereit zu sein. Koalitionen In Hamburg regieren die Grünen bereits mit der CDU, im Saarland mit CDU und FDP. Kritiker warnen, die Grünen könnten durch die Bereitschaft zu allen möglichen Koalitionen Glaubwürdigkeit verlieren. Schwierig wird für die Grünen die Wahl in NRW im Mai: Angesichts der nach Umfragen fehlenden Mehrheit für Rot-Grün dürfte die Debatte über eine Koalition mit der CDU an Fahrt gewinnen. Vielen linken Grünen sind diese Aussichten ein Graus.

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