Intendant Schächter wirbt auch bei Rüttgers für Chefredakteur.

Nikolaus Brender wartet auf ein Signal seines Arbeitgebers.
Nikolaus Brender wartet auf ein Signal seines Arbeitgebers.

Nikolaus Brender wartet auf ein Signal seines Arbeitgebers.

dpa

Nikolaus Brender wartet auf ein Signal seines Arbeitgebers.

Düsseldorf. Beim ZDF tobt in diesen Tagen ein veritabler Machtkampf: Es geht um den Verbleib von Chefredakteur Nikolaus Brender (60). In einer bislang einmaligen Aktion machen sich Sender-Größen wie Claus Kleber, Maybrit Illner und Peter Frey in einem öffentlichen Brief für eine Verlängerung von Brenders im nächsten Jahr auslaufenden Vertrag stark. Dem steht eine breite Front von CDU-Ministerpräsidenten gegenüber. Um die aufzubrechen, gibt es auch Gespräche mit NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU).

Im Kern geht es bei der Personalie Brender um die Frage, wie groß der Einfluss der Politik auch heute noch auf einen Sender von europäischem Gewicht wie das ZDF ist. Brender ist parteilos, wird aber nach der Farbenlehre des politisch von der Union dominierten Verwaltungsrats der SPD zugeschlagen. Warum, weiß keiner so richtig: Eine unabhängige Berichterstattung bescheinigen ihm objektive Beobachter, über seine Art der Herangehensweise haben sich sowohl Edmund Stoiber (CSU) als auch Gerhard Schröder (SPD) beklagt. In der ersten Reihe der Brender-Gegner steht seit geraumer Zeit Roland Koch (CDU).

Für Brender wirbt nun seit längerem ZDF-Intendant Markus Schächter. Ihm obliegt das Vorschlagsrecht, abhängig ist die Personalie aber vom Votum des Verwaltungsrats. Der 59-Jährige gilt selbst als CDU-nah und wurde einst mit den Stimmen der Union gewählt. Doch noch hat er keine Mehrheit für seinen Favoriten. Unlängst ist er auch in der Düsseldorfer Staatskanzlei bei Rüttgers vorstellig geworden. Dort pries Schächter den Journalisten Brender als unabhängigen Fachmann an. Auch wenn das Gespräch wegen aktueller Ereignisse (Rücktritt von NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke/CDU) unterbrochen wurde, beendet ist es nicht.

Auch das ZDF-Studio in Düsseldorf spielt eine Rolle

Schließlich geht es auch um die Neubesetzung bei der Leitung des ZDF-Studios Düsseldorf. Der langjährige Chef Martin Schmuck geht bald in den Ruhestand. Als Nachfolger dort ist der Phoenix-Mann Michael Krons im Gespräch, der als Rüttgers-Intimus auch schon mal als Regierungssprecher in Düsseldorf gehandelt wurde. Krons ist aber senderintern umstritten.

Schächter muss in diesen Tagen mit vielen reden, um die Skepsis bei der CDU gegen Brender zu überwinden. Dabei hat er sich längst weit vorgewagt. Der Brief von Kleber und Co sowie die begleitenden Interviews der ZDF-Politikjournalisten haben eine Kernaussage: Der Einfluss der Parteien im Sender muss zurückgedrängt werden. Die Situation scheint verfahren. Dabei drängt die Zeit. Bis zum Sommer hat Brender das Anrecht, über seine Zukunft Bescheid zu wissen.

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