Ministerin Aigner verschärft den Kurs gegen den Genmais. Grund sind neue Bedenken gegen die Technologie.

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In diesem Jahr sollte Mon810 auf einer Fläche von rund 3700 Hektar angebaut werden.

In diesem Jahr sollte Mon810 auf einer Fläche von rund 3700 Hektar angebaut werden.

In diesem Jahr sollte Mon810 auf einer Fläche von rund 3700 Hektar angebaut werden.

dpa, Bild 1 von 2

In diesem Jahr sollte Mon810 auf einer Fläche von rund 3700 Hektar angebaut werden.

Berlin. Ein kleines Gen sorgt für großen Wirbel. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat mit ihrem Genmais-Verbot nicht bloß den Anbau der Sorte Mon810 in Deutschland untersagt, zumindest vorerst.

Sie hat auch den jahrelangen Bedenken von Umweltschützern und der zunehmenden Skepsis in Bayern Rechnung getragen und die Weichen neu gestellt. Eine "Gefahr für die Umwelt" schließt Aigner nicht mehr aus.

Der Genmais ist ein Reizthema: nicht nur, aber vor allem in Bayern. Die Bedenken werden größer, dass der Anbau mehr Risiken als Chancen haben könnte für Tiere und Pflanzen - und damit auch für die Bauern. "Meine Entscheidung ist entgegen anderslautenden Behauptungen keine politische Entscheidung", sagt Aigner jedoch. "Es ist eine fachliche Entscheidung."

Bayerns Landesregierung machte Front gegen den Anbau von Genmais

Es mag Zufall sein, dass die Proteste gegen Genmais in Bayern lauter werden und dass Ministerpräsident Horst Seehofer und sein Umweltminister Markus Söder (beide CSU) für ein gentechnikfreies Bayern eintreten.

Die Parteifreundin argumentiert mit wissenschaftlichen Studien: "Jetzt gibt es eben neue Kenntnisse." Über Ostern brütete sie an ihrer Entscheidung, die sie auf Grundlage der Stellungnahmen mehrerer Bundesbehörden, der Öko- Lebensmittelwirtschaft und der luxemburgischen Regierung traf.

Der Genmais Mon 810 ist seit 1998 die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die in der EU kommerziell angebaut werden darf. Sie wurde 1998 genehmigt. Für Deutschland gab der damalige Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) 2005 grünes Licht für die Anwendung.

Der US-Konzern Monsanto hat in den Mais ein Gen eingebaut, das aus einem Bodenbakterium (Bacillus thuringiensis, auch Bt-Mais) gewonnen wurde. Dieses Bakterium produziert ein Gift gegen den Maiszünsler. Der Kleinschmetterling ist der häufigste Maisschädling.

Befürworter argumentieren mit einem geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und höheren Erträgen. Umweltverbände befürchten negative Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere. Wegen Bedenken hatte Seehofer den Verkauf von Saatgut 2007 vorläufig gestoppt. Er verlangte von Monsanto einen Bericht über die Umweltfolgen, den Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) nun auswerten ließ. Weil neue Bedenken hinzukamen, erließ sie ein Verbot. Im Münsterland wurde bis 2007 Genmais angebaut.

In Deutschland war der Anbau für dieses Jahr auf knapp 3700 Hektar beantragt, vor allem in Ostdeutschland. In fünf EU-Staaten ist der Anbau von Genmais Mon 810 bereits verboten: in Frankreich, Griechenland, Österreich, Ungarn und seit März auch in Luxemburg.

Schon Aigners Vorgänger Horst Seehofer hatte die wachsenden Bedenken gegen den Genmais erkannt und 2007 mit einem vorläufigen Verkaufsverbot für Saatgut reagiert. Der Gentechnik-Konzern Monsanto durfte weiter verkaufen, wenn er die möglichen Folgen des Anbaus auf die Umwelt dokumentiert.

Der Bericht liegt nun vor, Monsanto sieht keinen Grund für Bedenken. "Es gibt keine wissenschaftlich tragbaren Hinweise, die zu einem anderen Schluss führen würden als in der Sicherheitsbewertung des Produktes im Rahmen der Zulassung", sagt Monsanto-Sprecher Andreas Thierfelder. Das Unternehmen prüft nun rechtliche Schritte.

Forschungsministerin Schavan warnt vor Schaden für Zukunftstechnologie

Aigner betont, dass es sich nicht um eine Grundsatzentscheidung handelt. "Gerade die Sicherheitsforschung in der ,grünen Gentechnik’ wird gebraucht" - wohl wissend, dass ein Genmais-Verbot in der Bundesregierung nicht unumstritten ist.

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte im März für Unmut gesorgt, als er bei einem EU-Ministertreffen dafür stimmte, dass Österreich und Ungarn weiter den Genmais-Anbau verbieten dürfen.

Das Kanzleramt verwies auf die Regel, dass bei unterschiedlichen Ansichten in der Großen Koalition Enthaltung gelten sollte. Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) warnt davor, dass eine Zukunftstechnologie nun Schaden nehmen könnte.

An der Entscheidung von Aigner waren bestimmte Marienkäfer nicht ganz unbeteiligt. In einer Studie von 2009, die auch in Luxemburg für das Genmais-Verbot herangezogen wurde, heißt es, dass die Sterblichkeitsrate von Zweipunkt-Marienkäfern im Larvenstadium im Zusammenhang mit dem genveränderten Mais zunahm. Die Bedenken sollen nun geprüft werden.

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