Le Pens „Front National“ feiert bei der Regionalwahl einen Überraschungserfolg.

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Angriffslustig: der 81-jährige Chef der „Front National“.

Angriffslustig: der 81-jährige Chef der „Front National“.

dpa

Angriffslustig: der 81-jährige Chef der „Front National“.

Paris. Noch Anfang März herrschte in Frankreichs politischer Klasse weitgehende Einmütigkeit über den angeschlagenen Zustand des rechtsextremen "Front National". Die ehedem so schlagkräftige und gefürchtete Truppe, so der von Häme getragene Tenor, sei nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ein dahinsiechender Patient, der in den letzten Zügen liegt. So dachten sie. Doch dann kam die Regionalwahl, die den Rechtsextremen unverhofft eine neue Blüte bescherte. "Das ist der Frühling des Front National", bejubelt Vize-Vorsitzende Marine Le Pen die völlig unerwartete Frischzellenkur.

Politiker: Die Rechtsextremen schüren die Ängste der Menschen

Eine Renaissance, die der Pariser Politikwissenschaftler Alfred Grosser hingegen eher beunruhigend findet. "Die Menschen in Frankreich haben vielerlei Ängste, und die Rechtsextremisten schüren diese Ängste", erklärt er das Comeback der nach wie vor weithin unbeliebten Le-Pen-Truppe. Der Blick auf die neue politische Landkarte belegt den Triumph der Rechtsextremen. Jean-Marie Le Pen (81), der unverwüstliche Vorsitzende und Parteigründer, holte an der Côte d’Azur mit 22,8 Prozent das beste Ergebnis. In einzelnen Départements wie im Raum Calais oder in der Provence schafften die FN-Kandidaten sogar stolze 24,4 beziehungsweise 26,5 Prozent.

Von wegen Denkzettel-Wahl: Im zweiten Wahlgang, bei dem sie allein in 12 von 22 Regionen antraten, legten sie satte 500000 Stimmen zu und erreichten einen Schnitt von 17,8Prozent (plus vier Prozentpunkte). Beeindruckende Zahlen, die in erste Linie dem entsetzten Präsidentenlager Schweißperlen auf die Stirn treiben. "Das Scheitern der Sarkozy-Regierung hat die Rückkehr des Front National eindeutig begünstigt", analysiert Grosser.

Eine besonders unrühmliche Rolle spiele der umstrittene Integrationsminister Eric Besson, ein früherer Spitzen-Sozialist, der noch während des letzten Präsidentschaftswahlkampfes mit wehenden Fahnen zu den Sarkozysten überlief. Mit der von ihm angezettelten und mit großem Eifer dirigierten Debatte über die "Nationale Identität" habe er das genaue Gegenteil erreicht. Anstatt den Rechtsaußen das Wasser abzugraben, habe er die aufgewiegelten Wähler regelrecht in ihre Arme getrieben. Grosser: "Der Erfolg des Front belegt, dass es in Frankreich einen starken Anti-Islamismus gibt."

Dem Politikwissenschaftler Sylvain Crépon (Universität Paris Ouest Nanterre) zufolge haben hauptsächlich Arbeiter und Angestellte, Handwerker und Kaufleute sowie Arbeitslose beim Front National ihr Kreuzchen gemacht. Ebenfalls auffällig ist der starke Zulauf bei Jungwählern (12 Prozent der 18- bis 24-Jährigen) und in der Gruppe der 35- bis 49-Jährigen (15 Prozent). Lauter Menschen, die von Existenzängsten geplagt und zugleich vom Präsidenten bitter enttäuscht sind. "Das ist der ultimative Zusammenbruch des Sarkozysmus", kommentiert Parteichef Le Pen schadenfroh das Wahlergebnis.

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