In den Regalen liegen auch mit Billig-Ersatz belegte Produkte.

Luxemburg. So ein Käse: In Europa werden gewaltige Mengen von Pizza und Lasagne verkauft, die nicht mit echtem Käse aus Milch zubereitet sind, sondern mit Ersatzprodukten aus Pflanzenöl, Stärke, Milcheiweiß, Salz und Geschmacksverstärker.

Für den Verbraucher ist der Belag optisch und geschmacklich kaum vom originalen Molkereiprodukt zu unterscheiden. Genau das macht das Imitat für Lebensmittelkonzerne so attraktiv - zumal der künstliche Ersatzkäse, der in den Niederlanden als "Neppkaas" verspottet wird, einem Branchenkenner zufolge wesentlich preiswerter sei und im Backofen nicht so schnell braun werde.

Experten berichten, der drastische Preisanstieg für Milch und Käse vor anderthalb Jahren habe viele Produzenten veranlasst, auf den Billig-Belag umzusteigen. Nun seien die Milchpreise zwar wieder im Keller. Trotzdem fehle der Anlass, um wieder vom Anschmier-Käse zu echten Molkereiprodukten zurückzukehren.

Das könnte sich bald ändern. Denn die Rufe nach einer Kennzeichnungspflicht werden im Bundestag und im EU-Parlament lauter. "Wenn der Verbraucher einen künstlichen Käse-Ersatz kaufen möchte, kann er das natürlich gerne tun. Er muss aber wissen, was er kauft", fordert die CDU-Europaabgeordnete Christa Klaß. Sie hält es für eine Veräppelung des Verbrauchers, wenn Einzelhändler Pflanzenfett-Produkte bewusst in der Käsetheke von Supermärkten platzieren.

Zudem machte die EU-Kommission gestern deutlich, dass Zutaten, die nicht ausdrücklich zugelassen sind, in der Käseherstellung nicht verwendet werden dürfen - weder auf dem Etikett "noch in irgendeiner Form der Werbung oder jedweder Form der Präsentation". Und auch nicht "in Andeutungen, dass das Produkt ein Molkereierzeugnis ist". Wahrscheinlich werden erst Juristen klären können, ob allein die bildliche Darstellung einer Pizza-Auflage, die wie Käse aussieht, aber nicht Käse ist, bereits gegen europäische Regeln verstößt. Die EU-Kommission erinnert vorsichtshalber schon einmal die nationalen Regierungen daran, dass ihre Behörden die Einhaltung der Vorgaben kontrollieren müssen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte sich erst kürzlich dafür stark gemacht, dass die Lebensmittelindustrie wieder verstärkt auf Molkereiprodukte zurückgreift. Erstens, weil sie damit der eigentlichen Nachfrage der Verbraucher entspräche. Und zweitens, da auf diese Weise ein Beitrag zur Stabilisierung der Milchpreise geleistet werden könne, die gegenwärtig viele Höfe vor Existenzprobleme stellen.

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