Die Rufe nach gemeinsamen Anleihen der Euro-Länder werden lauter.

Die Schuldenkrise macht die Euro-Zone zur Dauerbaustelle.
Die Schuldenkrise macht die Euro-Zone zur Dauerbaustelle.

Die Schuldenkrise macht die Euro-Zone zur Dauerbaustelle.

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Die Schuldenkrise macht die Euro-Zone zur Dauerbaustelle.

Frankfurt. Für die einen wären sie die Rettung der Eurozone, für die anderen ihr Untergang: Eurobonds. Fragen und Antworten:

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Eurobonds?

Gemeinsame Staatsanleihen aller Euro-Länder, die von einer noch zu gründenden europäischen Schuldenagentur zur Versteigerung angeboten würden. Bisher begibt jedes Land nur eigene Anleihen – mit der Konsequenz, dass hoch verschuldete Staaten teils extrem hohe Zinsen zahlen müssen. Geraten sie in den Fokus der nervösen Märkte, steigen die Zinsen sogar noch höher. Staaten mit glänzender Bonität wie Deutschland kommen dagegen günstig an frisches Geld. Eurobonds würden allerdings die Bonität potenter Länder belasten, das würde auch in Deutschland zu höheren Zinsen führen.

Was wären die Vorteile von Eurobonds?

Pleitekandidaten stünden nicht mehr wie bisher weitgehend allein gegen die Macht von Finanzmärkte und Spekulanten: Mit Hilfe der Eurobonds könnten sie sich wieder zu moderaten Konditionen Kredite besorgen – schließlich sind die solideren Staaten ja mit im Boot. Allerdings würde ein anderer Teil der Schulden nach wie vor zu nationalen Zinssätzen verzinst werden.

Was spricht gegen Eurobonds?

Dass eine gemeinsame Haftung für Schulden ein tatkräftiges Sanieren und Sparen für Athen, Lissabon & Co noch unattraktiver machen könnte – nach dem Motto: Die Reichen werden schon zahlen. Dies befürchtet Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Außerdem würden dann, so formulieren es die Eurobonds-Gegner, deutsche Steuerzahler für Schulden derer mithaften, die über ihre Verhältnisse gelebt haben. Befürworter wie Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker versichern, parallel solle ein Anreizsystem für verschuldete Länder geschaffen werden, das strikte Haushaltsdisziplin belohne.

Wo verlaufen die Fronten im Streit?

In Deutschland zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün. In Europa – stark vereinfacht – zwischen Staaten mit AAA-Bonität und dem Rest. In Brüssel hat sich neben Juncker auch EU-Währungskommissar Olli Rehn für Eurobonds ausgesprochen.

Was würden Eurobonds für Deutschland kosten?

Das ist höchst umstritten. Ifo-Ökonom Kai Carstensen etwa kalkuliert, dass Deutschland einen deutlichen Zinsaufschlag von 2,3 Prozentpunkten zahlen müsste. Unter dem Strich entspräche dies jährlichen Mehrkosten von gut 47 Milliarden Euro, errechnete er für die „Welt am Sonntag“. Eurobonds-Befürworten meinen dagegen: Staatspleiten und ein Auseinanderbrechen der Eurozone kämen für Deutschland teurer als die gemeinsamen Bonds.

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