Experten: Zahl der Hungernden steigt.

Berlin. Die Welthungerhilfe schlägt Alarm: Die Weltwirtschaftskrise treibt immer mehr Menschen in der Dritten Welt in den Hunger. "Wenn nicht sofort gegengesteuert wird, steigt die Zahl der hungernden Menschen noch in diesem Jahr auf über eine Milliarde", warnte die Präsidentin der Hilfsorganisation, Bärbel Dieckmann, am Donnerstag in Berlin. Das Ziel, die Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 auf unter 450 Millionen Menschen zu halbieren, sei nicht mehr erreichbar.

Der Vorstandsvorsitzende der Welthungerhilfe, Hans-Joachim Preuss, forderte Entwicklungshilfe für die Landwirtschaft. "Der Kampf gegen den Hunger wird auf dem Land entschieden." Weniger als zehn Prozent der Hilfen flössen in die Agrarwirtschaft. "Die weltweite Ernährungssicherheit muss oberste Priorität haben", fügte die Bonner Oberbürgermeisterin Dieckmann hinzu. Benötigt werde zusätzliche Entwicklungshilfe insbesondere zur Nahrungsmittelproduktion in ländlichen Gebieten.

Prognosen ließen das Schlimmste für die Entwicklungsländer befürchten, sagte Dieckmann weiter. Vorhersagen der Vereinten Nationen gingen von einer enormen Steigerung der Kindersterblichkeit durch die Finanzkrise aus. "Mindestens 53 Millionen Menschen mehr werden unter die absolute Armutsgrenze von 0,75 Euro pro Tag fallen." Derzeit wird die Zahl der Hungernden auf 963 Millionen Menschen geschätzt. Dabei leben zwei von drei Betroffenen auf dem Land.

Die Weltmarktnachfrage ist dramatisch eingebrochen

Schon jetzt seien die Folgen der Krise in den armen Ländern dramatisch, sagte Dieckmann. Als Beispiel nannte sie Peru, wo die Weltmarktnachfrage nach der hochwertigen Alpaka-Wolle praktisch kollabiert sei. In Kambodscha seien allein in der Baumwoll- und Bekleidungsindustrie in den vergangenen Monaten mehr als 50 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. In Indien verloren bis April bereits 1,5 Millionen Menschen ihre Jobs in der Exportindustrie.

Ungeachtet der Finanz- und Wirtschaftskrise gingen im vergangenen Jahr bei der Welthungerhilfe 37,1 Millionen Euro an Spenden von 283 130 Spendern und Spenderinnen ein. Das ist nach dem Spendenrekord im Tsunami-Jahr 2005 das beste Spendenergebnis. Damit wurden 321 laufende Projekte finanziert. Schwerpunkte waren die ländliche und regionale Entwicklung, der Bau von Schulen und Straßen sowie Nothilfeeinsätze.

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