Der britische Staatshaushalt soll auf Kosten der Bildung entlastet werden.

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Studenten protestierten am Donnerstag gegen die Verteuerung.

Studenten protestierten am Donnerstag gegen die Verteuerung.

dpa

Studenten protestierten am Donnerstag gegen die Verteuerung.

London. Englische Universitäten werden in Zukunft zu den teuersten der Welt gehören, nachdem das Unterhaus für eine Verdreifachung der Studiengebühren gestimmt hat. Ab September 2012 werden an staatlichen Einrichtungen jährlich umgerechnet bis zu 10 700 Euro fällig. Tausende Studenten protestierten am Donnerstag in der Hauptstadt gegen die Entscheidung, die längst auch die Koalition entzweit.

Liberalen-Chef Clegg versprach zuvor, die Gebühren nicht zu erhöhen

Es war ein zentrales Wahlversprechen, mit dem die Liberalen im Frühjahr von einer kleinen, obskuren Randpartei zum Juniorpartner der britischen Tory-Koalition aufsteigen konnten: Studiengebühren sollten keinesfalls erhöht werden, hatte Parteichef Nick Clegg seinen jungen Anhängern versichert, ganz im Gegenteil: Am liebsten wäre ihm eine Abschaffung der derzeit 3290 Pfund Jahresgebühr. In einer bemerkenswerten Kehrtwende setzte Clegg sich am Donnerstag zur Wahrung der Koalitionsdisziplin über massive Kritik hinweg und stimmte für eine Anhebung auf maximal 9000 Pfund. Liberalen-Chef Clegg bezeichnete seine Kritiker als "Träumer", die ihre Augen vor der schwierigen Lage Großbritanniens verschließen würden.

Der Zickzack-Kurs der Liberalen, das Sparprogramm im Allgemeinen, Frust über zusätzliche Hürden für ärmere Studenten und die Vermarktung von Bildung - all das hatte sich schon seit Wochen in teils gewalttätigen Ausschreitungen auf Londoner Straßen zusammengebraut. Dass der Staatshaushalt auf Kosten der Studenten entlastet werden sollte, war auch innerhalb der Koalition zutiefst umstritten. Am Abend passierte die Maßnahme inmitten von lautstarken Protesten der rund 20 000 Demonstranten mit knapper Mehrheit das Parlament.

Das Budget der Universitäten wird drastisch gekürzt

Um 40 Prozent schrumpft die Regierung das Unterrichtsbudget für staatliche Universitäten in den nächsten Jahren. Ausgenommen von Kürzungen sind nur "strategisch wichtige" Fakultäten wie Maschinenbau und die Naturwissenschaften. Viele Hochschulen müssten ohne höhere Eigenleistung der zwei Millionen Studenten schließen.

Um die Konsequenzen abzumildern, werden die Studiengebühren erst nach Eintritt ins Arbeitsleben fällig - und auch nur, wenn die Absolventen mehr als 25 000 Euro im Jahr verdienen. Die monatlichen Rückzahlungen sollen neun Prozent ihres Einkommens betragen. Zwar steht den Universitäten frei, die exakte Höhe der Studiengebühren selbst festzulegen, so lange sie 9000 Pfund im Jahr nicht überschreiten. Doch eine Umfrage der "University and College Union" hat bereits ergeben, dass die meisten Einrichtungen mindestens 6863 Pfund berechnen müssen, um schwarze Zahlen zu schreiben.

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