Nur jeder Fünfte nutzt die Elternzeit. Das alte Rollenverständnis wird durch erwerbslose Mütter verstärkt.

Uwe Anspach

Düsseldorf. Nur jeder fünfte Vater in Nordrhein-Westfalen nimmt Elternzeit. Das haben zwei Studien ergeben, die NRW-Familienministerin Ute Schäfer (SPD) Montag vorstellte. In Bayern und Sachsen beanspruchen demnach 36 Prozent der Väter Elterngeld, in NRW sind es nur 20,2. „Wir haben noch Nachholbedarf“, sagte Schäfer.

Ein Grund für die unterdurchschnittliche Nutzung der Elternzeit in NRW ist laut Prognos-Studie die geringe Erwerbstätigenquote der Frauen: Nur 60 Prozent der Mütter arbeiteten vor der Geburt ihres Kindes. Das setzt sich nach dem Elterngeldbezug fort. Dann arbeiten nur 34,7 Prozent der Mütter von Kindern bis zu drei Jahren. Aus diesem Grund erhält ein Drittel der Mütter auch lediglich den Mindestbetrag an Elterngeld: 300 Euro. Der Vater bleibt in NRW in der Regel der Ernährer. Arbeiten beide Elternteile, ist der Einkommensunterschied groß (rund 700 Euro). Auch deshalb fällt Vätern der Schritt zur Elternzeit wohl schwerer.

Die Rollenverteilung im Bundesland ist sehr traditionell

Dazu kommt ein traditionell geprägtes Rollenverständnis. In NRW glauben drei Viertel der Väter und zwei Drittel der Mütter mit Kleinkindern, dass der Nachwuchs leidet, wenn die Frau arbeitet. Zum Vergleich: In Sachsen glauben das 36 Prozent der Männer und Frauen.

Das Thema „Familienzeit“ sei sehr wichtig, sagte Schäfer. „Deshalb müssen wir nicht nur Frauen, sondern auch Männern gute Vereinbarkeitskonzepte ermöglichen.“ Dazu gehörten flexible Arbeitszeitmodelle.

Tatsächlich möchten laut Studie aber 85 Prozent der Männer mindestens 37 Stunden arbeiten. Nur 17 Prozent würden gern kürzertreten.

 

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