Hans-Olaf Henkel traf Casrtro vier Mal.
Hans-Olaf Henkel traf Casrtro vier Mal.

Hans-Olaf Henkel traf Casrtro vier Mal.

Der ehemalige kubanische Staatspräsident Fidel Castro starb im Alter von 90 Jahren.

dpa, Bild 1 von 2

Hans-Olaf Henkel traf Casrtro vier Mal.

Berlin/Havanna.  Vier Mal hat Hans-Olaf Henkel Fidel Castro getroffen, drei Mal davon privat. Zwischen dem früheren BDI-Präsidenten und der Revolutions-Legende entstand eine besondere Beziehung, über die der heute 76 Jahre alte Europaabgeordnete der eurokritischen Gruppe ALFA im Interview mit unserem Berliner Korrespondenten Werner Kolhoff berichtet.

F.: Herr Henkel, wie kam es zu Ihrem Kontakt mit Castro?

A.: Der erste Anlass war eine Reise des BDI im Jahr 1998 zur Verbesserung der deutsch-kubanischen Wirtschaftsbeziehungen. Castro wollte viel wissen, zum Beispiel über Oskar Lafontaine und den damaligen Kanzler Gerhard Schröder. In den Jahren darauf lud er meine Frau und mich mehrfach in ein Gästehaus nach Havanna ein, zuletzt zum Jahreswechsel 2000. Ich habe davon heute noch eine Zigarrenkiste mit der Aufschrift "Für meinen Freud Hans-Olaf am letzten Tag dieses Jahrhunderts mit besten Wünschen für das nächste Jahrtausend". Übrigens, damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich habe immer darauf bestanden, diese Aufenthalte zu bezahlen, und zwar bar in Dollar.

F.: Er muss sie gemocht haben.

A.: Das weiß ich nicht. Er hatte aber Interesse an der Diskussion mit mir. Wir haben über die USA gesprochen, über die Weltwirtschaft, aber auch über Menschenrechte, die Pressefreiheit und die Todesstrafe. Ich habe ihm zum Beispiel gesagt, wenn er die Todesstrafe abschafft, dann hat er bei Organisationen wie Amnesty International im Vergleich zu den USA einen Stein im Brett. Ich habe gemerkt, dass er darüber nachgedacht hat.

F.: Man konnte darüber offen mit ihm sprechen?

A.: Absolut. Wie dieser Mann überhaupt sehr gut wusste, was um ihn herum geschah und wie Kuba gesehen wurde. Er versuchte die Repressionen aber immer damit zu erklären, dass sie nur vorübergehend seien, und wenn es die Bedrohung durch die Amerikaner nicht mehr gebe, dann würden auch in Kuba Demokratie und Menschenrechte einziehen. Das ist natürlich Quatsch. Vielmehr ist das US-Wirtschaftsembargo einer der Gründe für die Stabilität des Regimes gewesen, denn so konnte es die Schuld für die Mängel immer auf die Amerikaner schieben.

F.: Wird der Sozialismus in Kuba nach dem Tod des Idols Castro schnell in sich zusammenfallen?

A.: So schnell nicht. Es gibt einige historische Leistungen Castros, die bleiben werden. Die Beseitigung der Diktatur Batista, das gute Bildungssystem und der Aufbau des Gesundheitssystems gehören dazu. Auf der Gegenseite stehen die dramatischen Menschenrechtsverletzungen. Castros Bruder Raul wird sicher weitermachen, so lange er lebt. Allerdings hatte Castro einige der Wirtschaftsreformen blockiert, die Raul wollte. Da wird es jetzt Lockerungen geben. Sehr interessant wird sein, wie Donald Trump nun reagiert. Mit Castros Tod ist das große Feindbild verstorben; der neue Präsident muss Obamas Lockerungskurs zu Kuba nicht mehr unbedingt zurücknehmen.

F.: Wie ist Ihre Beziehung zu Castro zu Ende gegangen?

A.: Anfangs schickte er mir zu Neujahr immer noch einen Gruß. Die Kontakte brachen dann abrupt ab, als er 2003 nach einem Schnellverfahren drei junge Männer hinrichten ließ, die eine Fähre nach Florida entführen wollten. Ich habe ihm daraufhin einen bitterbösen Brief geschrieben. Und seitdem nie wieder etwas von ihm gehört.

F.: Kann ein Diktator ein guter Mensch sein?

A.: Nein, ich glaube, das ist ein Widerspruch in sich selbst.

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