Wirtschaftskrise trifft die Ärmsten am härtesten. Jeder siebte Mensch weltweit hat nicht genug zu essen.

Der Welthunger-Index von Welthungerhilfe und IFPRI: Die Ernährungslage weltweit. In sechs afrikanischen Ländern schätzen die Experten den Hunger als gravierend ein. (Grafik: dpa)
Der Welthunger-Index von Welthungerhilfe und IFPRI: Die Ernährungslage weltweit. In sechs afrikanischen Ländern schätzen die Experten den Hunger als gravierend ein. (Grafik: dpa)

Der Welthunger-Index von Welthungerhilfe und IFPRI: Die Ernährungslage weltweit. In sechs afrikanischen Ländern schätzen die Experten den Hunger als gravierend ein. (Grafik: dpa)

Der Welthunger-Index von Welthungerhilfe und IFPRI: Die Ernährungslage weltweit. In sechs afrikanischen Ländern schätzen die Experten den Hunger als gravierend ein. (Grafik: dpa)

Berlin. Die Vereinten Nationen (UN) schlagen Alarm: Die Wirtschaftskrise treibt immer mehr Menschen in den armen Ländern der Dritten Welt in den Hunger. Die Zahl der hungernden Menschen ist nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) im laufenden Jahr auf mehr als eine Milliarde gestiegen.

"Das 21.Jahrhundert droht zum Hunger-Jahrhundert zu werden", warnte auch die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann am Mittwoch. Das im Jahr 2000 gesetzte Ziel, die Zahl der Hungernden bis 2015 auf unter 450 Millionen Menschen zu halbieren, sei nicht mehr erreichbar.

"Der Kampf gegen den Hunger wird auf dem Land entschieden", sagte der Vorstandsvorsitzende der Welthungerhilfe, Hans-Joachim Preuss. Er forderte mehr Aufmerksamkeit für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Nur noch weniger als zehn Prozent der Entwicklungshilfe flössen in die Agrarwirtschaft. "Die weltweite Ernährungssicherheit muss oberste Priorität haben", fügte die langjährige Bonner Oberbürgermeisterin Dieckmann hinzu. Benötigt werde zusätzliche Entwicklungshilfe zur Nahrungsmittelproduktion in ländlichen Gebieten.

Experten befürchten enorme Steigerung der Kindersterblichkeit

Prognosen ließen das Schlimmste für die Entwicklungsländer befürchten, sagte Dieckmann weiter. UN-Vorhersagen gingen von einer enormen Steigerung der Kindersterblichkeit durch die Krise aus. "Mindestens 53Millionen Menschen mehr werden unter die absolute Armutsgrenze von 75 Cent pro Tag fallen." Derzeit wird die Zahl der Hungernden auf 1017 Millionen Menschen geschätzt, das ist mehr als ein Siebtel der Weltbevölkerung.

Schon jetzt seien die Folgen der Krise in den armen Ländern dramatisch, sagte Dieckmann. Als Beispiel nannte sie Peru, wo die Weltmarktnachfrage nach der hochwertigen Alpaca-Wolle praktisch kollabiert sei. In Kambodscha seien allein in der Baumwollindustrie in den vergangenen Monaten mehr als 50000 Arbeitsplätze verloren gegangen. In Indien verloren nach Regierungsangaben bis April bereits 1,5 Millionen Menschen ihre Jobs.

Ungeachtet der Finanz- und Wirtschaftskrise gingen im vergangenen Jahr bei der Welthungerhilfe 37,1 Millionen Euro an Zuwendungen von 283130 Spendern ein. Das ist nach dem Spendenrekord im Tsunami-Jahr 2005 das beste Ergebnis. Mit dem Geld wurden 321 Projekte finanziert. Schwerpunkte waren die ländliche und regionale Entwicklung, der Bau von Schulen und Straßen sowie Nothilfeeinsätze.

Das meiste Geld investierte die Welthungerhilfe mit 76Millionen Euro in Afrika, gefolgt von Asien mit 35,4 Millionen Euro. Im Sudan leistete die Organisation für 500000 vom Bürgerkrieg betroffene Menschen Soforthilfe. Nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nagris" verteilte die Welthungerhilfe als erste westliche Hilfsorganisation Nahrungsmittel und Hilfsgüter in Birma.

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