US-Präsident Obama befürchtet eine Katastrophe nie gekannten Ausmaßes. BP drohen Kosten in Milliardenhöhe.

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Eine Aufnahme des europäischen Satelliten Envisat zeigt den Ölteppich im Golf von Mexiko am 2. Mai. Naturschützer befürchten im Golf von Mexiko die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA. Im Mississippi-Delta werden Naturschutzgebiete von den Ölmassen gefährdet, die am frühen Freitag die Küstengewässer Louisianas erreichten.

Eine Aufnahme des europäischen Satelliten Envisat zeigt den Ölteppich im Golf von Mexiko am 2. Mai. Naturschützer befürchten im Golf von Mexiko die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA. Im Mississippi-Delta werden Naturschutzgebiete von den Ölmassen gefährdet, die am frühen Freitag die Küstengewässer Louisianas erreichten.

dpa

Eine Aufnahme des europäischen Satelliten Envisat zeigt den Ölteppich im Golf von Mexiko am 2. Mai. Naturschützer befürchten im Golf von Mexiko die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA. Im Mississippi-Delta werden Naturschutzgebiete von den Ölmassen gefährdet, die am frühen Freitag die Küstengewässer Louisianas erreichten.

Washington. Trotz verzweifelten Kampfes gegen die Ölverseuchung im Golf von Mexiko breitet sich der schmierige Teppich immer weiter aus - und es scheint auch knapp zwei Wochen nach der Bohrinsel-Explosion kein Ende in Sicht. Am Montag war der Ölfilm bis zu 80 Kilometer breit und etwa 130 Kilometer lang, sagte Admiral Thad Allen, der die Schutz- und Säuberungsmaßnahmen im Auftrag von US-Präsident Barack Obama koordiniert. Obama selbst sieht die Gefahr einer Naturkatastrophe von nie dagewesenem Ausmaß.

Die Befürchtung, dass die Schäden für das hochsensible Ökosystem in der Küstenregion noch größer werden als die beim "Exxon Valdez"-Unglück 1989 vor Alaska wächst ständig. Die US-Bundesstaaten Louisiana, Florida, Alabama und Mississippi riefen den Notstand aus.

Weiter strömen am Tag schätzungsweise mindestens knapp 700 Tonnen Rohöl ins Meer. So wächst auch der Druck auf den britischen Ölriesen BP, der die Bohrungen veranlasst hatte. Auf das Unternehmen könnten Milliardenkosten zukommen. Die Zeitung "Financial Times" rechnete aus, dass dem Ölkonzern Kosten von bis zu acht Milliarden Dollar drohen könnten - Schadenersatz für die Fischerei- und Touristikbranche eingeschlossen.

Derzeit koste der Einsatz gegen das Öl umgerechnet etwa 4,9 Millionen Euro täglich. "Der Betrag steigt mit jedem Tag", sagte ein BP-Sprecher. Er bekräftigte, es gelte die Aussage von Firmenchef Hayward: "Wir übernehmen die Verantwortung für den Ölteppich, wir werden ihn entfernen, und wenn Leute legitime Schadenersatzforderungen stellen, werden wir sie akzeptieren."

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Abdichten des Lecks Hauptaugenmerk ist, das Leck direkt am Meeresboden abzudichten. In 1500 Metern Tiefe befindet sich eine Sicherungsvorrichtung, die bei einem Unfall das Pumpventil schließen soll. "Wir wissen nicht, warum diese nicht aktiviert wurde", räumt BP-Sprecher John Curry ein. Vier Unterseeroboter sind im Einsatz, um die Sicherung zu aktivieren.

Abdeckkuppel Nach dem Unglück begannen BP-Ingenieure mit dem Bau einer Kuppel, die auf das Leck im Meeresboden gestülpt werden soll. Darin soll das ausströmende Öl aufgefangen und abgepumpt werden. Der "Deckel" könnte kommende Woche fertig werden.

Neue Bohrlöcher Durch Entlastungs-Bohrlöcher, aus denen das Öl kontrolliert fließen könnte, würde der Druck in der Ölleitung und damit der Ölfluss reduziert. Schließlich könnte durch die neuen Bohrlöcher eine Art Spachtelmasse gespritzt werden, die die Ölquelle endgültig versiegeln würde.

Absaugen des Öls Rund 68 Schiffe befinden sich an der Unglücksstelle und saugen das verschmutzte Wasser ab. Bislang wurden 3,8 Millionen Liter Wasser-Öl-Gemisch abgesaugt.

Auflösende Mittel Aus Schiffen und Flugzeugen wurden inzwischen rund 540000Liter Dispersionsmittel ausgebracht, die das auf der Meeresoberfläche treibende Öl auflösen sollen.

Kontrollierte Brände Ein kleiner Teil des Ölteppichs wurde in der vergangenen Woche kontrolliert abgefackelt, eine Fortsetzung dieser Methode war aber wegen der hohen Wellen nicht möglich.

Schwimmbarrieren Rund 84 Kilometer schwimmende Barrieren wurden bisher ausgebracht, um die Küste vor dem Ölteppich zu schützen, 100 weitere Kilometer sollen noch ausgelegt werden. Die Wirksamkeit der Methode ist angesichts des Wellengangs und des Umfangs des Ölteppichs von rund 960 Quadratkilometern aber fraglich.

Kein Stornierungsgrund Der größer werdende Ölteppich im Golf von Mexiko bietet Urlaubern derzeit keine Möglichkeiten zum kostenlosen Reiserücktritt. Angst vor höherer Gewalt sei für Pauschalurlauber kein Grund, etwa eine Reise nach Florida gebührenfrei stornieren zu dürfen, sagt der Reiserechtler Professor Ernst Führich von der Hochschule Kempten.

Reiseveranstalter Die großen deutschen Reiseveranstalter sehen derzeit keine Einschränkungen für ihre Gäste.

Kosten Wer jetzt seinen Urlaub an den Stränden West-Floridas absagen möchte, muss mit den üblichen Stornoregeln leben. Die sehen in der Regel vor, dass absagende Gäste bis einen Monat vor Reiseantritt ihre Anzahlung von 20 Prozent verlieren.

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