An Irritationen zu Beginn der Amtszeit des französischen Präsidenten gab’s auf deutscher Seite wahrlich keinen Mangel. Die "Sarko-Show" ging nicht nur den auf Sachlichkeit und Seriosität bedachten Berlinern ziemlich auf die Nerven. Selbst die eigenen Landsleute rieben sich bei soviel Drang zur Selbstdarstellung entsetzt die Augen.

Mal düpierte der hyperaktive Präsident Berlin mit seiner übertriebenen Hinwendung zu London, mal strapazierte er Merkels Nerven, als er den EU-Ableger Mittelmeerunion zu seiner alleinigen Spielwiese zu deklarieren versuchte. Der dramatische Tiefpunkt der deutschen-französischen Musterehe schien erreicht, als Berlin und Paris mitten in der schlimmsten Finanzkrise der letzten Jahrzehnte mit völlig unterschiedlichen Konzepten in getrennte Richtungen zu marschieren schienen.

All diese Verwerfungen sind mittlerweile Schnee von gestern. Nach drei Jahren Regentschaft im Elysée scheint der französische Präsident begriffen zu haben, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Stattdessen ist in ihm die Erkenntnis gereift, dass er ohne oder gar gegen Deutschland überhaupt nichts bewegen kann. Umso intensiver die Liebesgrüße, die in den letzten Monaten von der Seine an die Spree geschickt wurden. Eine unerwartete Leidenschaft für Deutschland, in der sogar Bewunderung mitschwingt. Gleichwohl: Genau betrachtet, haben wir es mit einer unspektakulären Vernunftehe zu tun.

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