Der von Rot-Grün benannte Kandidat wurde noch kürzlich von Bundeskanzlerin Merkel belobigt: Er sei ein „Freiheitsdenker“ und „Demokratielehrer“.

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Joachim Gauck (70) – im Kampf gegen das DDR-Unrecht geprägt.

Joachim Gauck (70) – im Kampf gegen das DDR-Unrecht geprägt.

Joachim Gauck (70) – im Kampf gegen das DDR-Unrecht geprägt.

Berlin. Die Sympathiewoge, die in den vergangenen Wochen auf ihn eingestürzt ist, machte den meist wortmächtigen Joachim Gauck vorübergehend sprachlos. Egal, wie die Abstimmung in der Bundesversammlung auch ausgehe, sagte der 70-Jährige: "Ich werde dastehen und mich freuen."

Jahrelang war der Name des früheren Pastors und friedlichen deutschen Revolutionärs vor allem mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit verknüpft.

Nach der persönlichen Erfahrung mit zwei Diktaturen sei sein eigentliches großes Lebensthema aber die Freiheit, betont Gauck, der sich einmal als "linken liberalen Konservativen" und als "aufgeklärten Patrioten" einstufte, immer wieder.

Die Stasiunterlagen-Behörde trug lange Zeit seinen Namen

Geprägt wurde der Lebensweg des 1940 in Rostock geborenen Sohns eines Kapitäns von der Ablehnung des DDR-Regimes. Sein Vater verschwand für lange Zeit einem Lager in Sibirien, als Gauck sechs Jahre alt war. Als evangelischer Pfarrer erlebte er später, wie das Regime brutal gegen Kirchenmitglieder vorging.

Als sich 1989 in der Bevölkerung der Widerstand gegen die DDR-Führung formierte, führte Gauck als Sprecher des Neuen Forums in Rostock Demonstrationen an. Ab März 1990 bis zum Ende der DDR im Oktober war Gauck Abgeordneter in der DDR-Volkskammer und leitete den Sonderausschuss zur Auflösung des Stasi-Ministeriums.

Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Das Grundgesetz weist dem obersten Repräsentanten deutlich weniger politische Befugnisse zu als etwa in Präsidialdemokratien wie Frankreich oder den USA. Traditionell setzt der Bundespräsident vor allem durch seine Reden Akzente. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, eine Wiederwahl ist nur ein Mal möglich. Die Amtsbezüge betragen derzeit 199 000 Euro im Jahr.

In der Bundesversammlung sitzen 1244 Wahlmänner und -frauen. Zur Hälfte sind es die Abgeordneten des Bundestages, die andere Hälfte wird von den Landtagen entsandt. Union und FDP stellen 644 Delegierte, 21 mehr als die absolute Mehrheit. Diese wird in den ersten beiden Wahlgängen verlangt. Danach reicht die einfache Mehrheit, um gewählt zu sein. Rot-Grün hat 462 Wahlleute nominiert, die Linke 124. Die restlichen 14 Delegierten entfallen auf die Freien Wähler aus Bayern und auf sonstige Vereinigungen.

Luc Jochimsen, die Kandidatin der Linken, ist praktisch chancenlos. Die 74-Jährige wird kaum mehr als die 124Stimmen ihrer Partei erhalten. Jochimsen arbeitete zehn Jahre lang beim Polit-Magazin "Panorama", berichtete danach als Korrespondentin aus London und wurde schließlich in der ARD Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks. 2005 kam sie über die Thüringer Landesliste der PDS in den Bundestag.

Am Tag der Wiedervereinigung, dem 3. Oktober 1990, übernahm er die nach ihm benannte Stasiunterlagen-Behörde. Im Oktober 2000 übergab er die Leitung nach zwei Amtszeiten an seine Nachfolgerin Marianne Birthler.

Verschiedene Angebote zur Übernahme von politischen Ämtern lehnte er danach ab. Im Jahr 2001 moderierte Gauck in der ARD eine alle zwei Wochen ausgestrahlte Interview-Sendung.

Vater von vier Kindern trennte sich 1990 von seiner Ehefrau

Als brillanter Redner ist Gauck im In- und Ausland weiter gefragt. Zu seinem 70. Geburtstag im Januar verbreitete Kanzlerin Angela Merkel (CDU) noch wahre Hymnen auf den von Rot-Grün nominierten Kandidaten. Er sei ein "Freiheitsdenker, Versöhner, Einheitsstifter und Demokratielehrer", lauteten damals die Elogen.

Anfang 1990 trennte sich Gauck von seiner Ehefrau. Drei seiner vier Kinder waren schon vor der Wende in den Westen ausgereist. Seine Lebensgefährtin ist die Journalistin Daniela Schadt.

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