Die Plattform berichtet von Willkür, Vergewaltigung und Folter zu Zeiten der US-Truppen im Land.

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US-Soldaten bewachen im Oktober in der Stadt Tikrit einen verhafteten Iraker.

US-Soldaten bewachen im Oktober in der Stadt Tikrit einen verhafteten Iraker.

dpa

US-Soldaten bewachen im Oktober in der Stadt Tikrit einen verhafteten Iraker.

Washington. Innerhalb der US-Regierung wächst der Zorn über die Veröffentlichung von fast 400.000 bis dahin geheimen Dokumenten, die Missbräuche und Folter seitens der irakischen Sicherheitskräfte ebenso belegen wie die mangelnde Bereitschaft der US-Besatzungsmacht, einzugreifen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Außenministerin Hillary Clinton forderte die Betreiber der Enthüllungsplattform Wikileaks auf, die Dokumente sofort aus dem Internet zu nehmen, da sie ein "erhebliches Sicherheitsrisiko" für die im Irak verbliebenen US-Truppen darstellten.

Als "Maulwurf" wird der 22-jährige Bradley Manning vermutet, ein Geheimdienstexperte der US-Armee, der bereits einmal wegen des Downloads geheimer Militärdokumente verurteilt worden war.

Die Enthüllungen könnten Obama bei den Kongresswahlen schaden

Ende Juli hatte die in Schweden ansässige Organisation Wikileaks für Schlagzeilen gesorgt, als sie 90.000 Truppenmeldungen ins weltweite Netz stellte, die als Beweis dafür angesehen wurden, dass die US-Regierung die Lage in Afghanistan schöngeredet hatte und die amerikanischen Streitkräfte im Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban immer mehr an Boden verloren hatten.

Die jüngsten Enthüllungen, die sich auf den Zeitraum von Anfang 2004 bis Ende 2009 beziehen, könnten aber wenige Wochen vor den Kongresswahlen der Glaubwürdigkeit von Präsident Barack Obama und führenden Demokraten schaden.

Politisch blamabel ist für die US-Regierung vor allem die Erkenntnis, dass entgegen bisherigen Darstellungen das Militär Aufzeichnungen über die Zahl der irakischen Todesopfer führt. Demnach starben seit Kriegsbeginn 285.000 Menschen, mehr als 109.000 von ihnen fanden einen gewaltsamen Tod. Von diesen wiederum waren fast zwei Drittel Zivilisten.

Britische Soldaten haben offenbar im März 2005 den irakischen El-Kaida-Chef Abu Mussab Sarkawi nicht festnehmen können, weil ihrem Helikopter das Benzin ausging und er umkehren musste. "Aus diesem Grund war das Gebiet für 20 bis 30 Minuten nicht überwacht", heißt es in den Dokumenten. Später eintreffende Soldaten konnten nur noch zufällige Spuren verfolgen. Der Jordanier wurde schließlich im Juni 2006 getötet.

Die hatten nach dem Regierungswechsel in Washington versprochen, dass die USA sich im Umgang mit Kriegsgefangenen und Terrorverdächtigen an internationale Konventionen halten würden, Folter als Verhörmethode der Vergangenheit angehöre und man auch sicherstellen werde, dass irakische Sicherheitskräfte dieser Vorgabe folgen würden.

Genau das Gegenteil scheint aber die Fülle bisher geheimer Dokumente zu belegen, die vorab dem "Spiegel", der "New York Times", dem britischen "Guardian" und der französischen Tageszeitung "Le Monde" zur Auswertung zugespielt wurden.

Wikileaks: Sechs Zivilisten starben an den Folgen von Misshandlungen

Die in nüchternem Militärjargon geschriebenen Notizen, die größtenteils von Feldoffizieren unmittelbar nach einem Kampfeinsatz verfasst wurden, zeichnen ein verheerendes Bild von Gefechten mit Extremisten, Bombenanschlägen und dem Umgang mit Häftlingen. Die Täter waren meist Iraker, doch die Dokumente zeigen auch schwere Verfehlungen von US-Soldaten und deren Söldnern.

Demnach wurden Gefängnisinsassen brutal zusammengeschlagen, vergewaltigt und gefoltert. Sechs Zivilisten sollen an den unmittelbaren Folgen der Misshandlung gestorben sein. Unter anderem soll die Besatzung eines US-Kampfhubschraubers eine Gruppe von Aufständischen getötet haben, obwohl diese die Waffen gestreckt hatten.

Einschusswunden an Menschen, die angeblich Suizid begangen haben

Andere Akten berichten von der Tötung mehrerer hundert Zivilisten an Straßensperren, die von der US-Armee aufgestellt wurden. Auch entdeckte ein Militärarzt Einschuss- und Brandwunden sowie schwere Verletzungen an Menschen, bei denen die Armee zu Protokoll gegeben hatte, sie hätten Suizid begangen. Nach Darstellung von Wikileaks-Gründer Julian Assange belegen die Dokumente "ein Blutbad bisher unbekannten Ausmaßes".

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