Düsseldorf. Professor Götz W. Werner, Institutsleiter an der Uni Karlsruhe und Gründer der Drogeriemarktkette dm, kritisiert die Idee, mehr auf Sachleistungen für Hartz-IV-Empfänger zu setzen.

Herr Werner, Sie greifen die Bundesregierung und insbesondere Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) an. Warum?

Werner: Weil sie das Ziel einer freiheitlichen Gesellschaft aus den Augen verloren hat. Diese Koalition ist weder sozial noch christlich. Es geht doch nicht um Mildtätigkeit. Es geht um das Recht auf ein Leben in Würde.

Warum wäre das mit Sachleistungen nicht zu gewährleisten?

Werner: Eltern müssen selbst entscheiden dürfen, was gut für sie und ihre Kinder ist. Sie brauchen keine Gutscheine, sondern ein Kinder-Grundeinkommen.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass ein an die Eltern ausgezahltes Kinder-Grundeinkommen auch bei den Kindern ankommt?

Werner: Wenn man feststellt, dass Eltern ihrer Aufgabe nicht gerecht werden, ist das ein Fall für die Sozialarbeit. Aber jetzt allen Eltern zu unterstellen: Ihr seid nicht dazu in der Lage, eure Kinder richtig zu versorgen, also bekommt ihr einen Gutschein für irgendetwas - das ist einer freiheitlichen Gesellschaft unwürdig.

Kostenloses Essen in der Schule zum Beispiel ist einer freiheitlichen Gesellschaft unwürdig?

Werner: Wir brauchen selbstverantwortliche Bürger. Diese bekommen Sie nicht, wenn Sie alles für sie regeln. Wir gehen ein großes Risiko ein: das Abrutschen ganzer Teile der Gesellschaft in eine Situation, in der diese Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihr Leben selbst zu gestalten.

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